2025-02-21 Nachhaltigkeit

Nur ein Tropfen auf den heißen Stein?

Nachhaltigkeit ist eines der großen Themen unserer Zeit. Viele von uns fragen sich: Was kann ich persönlich beitragen, ohne dass es zu viel Zeit, Geld oder Kraft kostet? Und wie gehe ich mit dem Gefühl um, dass meine Bemühungen nur ein Tropfen auf den heißen Stein sind?

Die gute Nachricht: Jeder Beitrag zählt – und oft sind es die kleinen, alltäglichen Entscheidungen, die eine große Wirkung entfalten können. Hier sind einige konkrete Ansätze, wie du nachhaltig handeln kannst, ohne dich zu überfordern.

1️⃣Kleine Schritte mit großer Wirkung
Du musst nicht dein gesamtes Leben umkrempeln, um nachhaltiger zu leben. Starte mit für dich einfachen Maßnahmen, wie z.B.:
🌱Bewusster Konsum: Kaufe nur das, was du wirklich brauchst. Weniger Konsum bedeutet weniger Ressourcenverbrauch. Unterstütze nachhaltige Produzenten/Herkunftsländer.
🌱Plastik vermeiden: Wiederverwendbare Trinkflaschen, Stoffbeutel und plastikfreie Alternativen können Plastikmüll drastisch reduzieren.
🌱Lebensmittelverschwendung minimieren: Plane deine Mahlzeiten, lagere Lebensmittel richtig und verwende Reste kreativ.
🌱Energie sparen: Schalte Geräte komplett aus (statt Standby), nutze LED-Lampen und senke die Raumtemperatur um ein Grad – das spart Energie und Geld.

2️⃣Wo kannst du besonders wirksam sein?
Nicht jede Maßnahme hat die gleiche Hebelwirkung. Wo kannst du für dich den größten Unterschied machen? Beispiele sind:
🌱Mobilität: Auf öffentliche Verkehrsmittel, Fahrrad oder Carsharing umsteigen. Flugreisen reduzieren oder kompensieren.
🌱Ernährung: Weniger Fleisch und tierische Produkte konsumieren. Eine pflanzenbasierte Ernährung hat einen enormen Einfluss auf den CO₂-Ausstoß.
🌱Investitionen und Finanzen: Prüfe, ob dein Geld nachhaltig angelegt ist (z. B. in Fonds mit ESG-Kriterien) oder ob deine Bank nachhaltige Projekte unterstützt.

3️⃣Die Grenzen des Einzelnen akzeptieren
Es ist wichtig zu verstehen: Du allein kannst nicht die Welt retten – und das musst du auch nicht. Nachhaltigkeit ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Dein Beitrag wird von anderen wahrgenommen und setzt ein Zeichen. Aber es gibt Bereiche, in denen Politik und Wirtschaft gefragt sind. Setze dich für systemische Veränderungen ein, z. B. durch Petitionen oder Gespräche in deinem Umfeld.

4️⃣Umgang mit dem „Tropfen auf den heißen Stein“-Gefühl:
🌱Kumulativer Effekt: Jeder Tropfen zählt! Millionen kleine Beiträge summieren sich zu großen Veränderungen.
🌱Vorbild sein: Dein Handeln inspiriert andere
🌱Fokus auf das Positive: Konzentriere dich darauf, was du bereits erreicht hast, anstatt dich von dem überwältigenden „großen Ganzen“ entmutigen zu lassen.

Also: Nachhaltigkeit muss weder teuer noch zeitaufwendig oder unkomfortabel sein – sie beginnt bei dir selbst und deinen Entscheidungen im Alltag. Wichtig ist, dass du dir bewusst machst: Deine Bemühungen sind wertvoll und ein Teil des größeren Ganzen. Gemeinsam können wir viel erreichen.
Fang klein an, bleib dran und inspiriere andere! 🌱🌱🌱

2025-01-09 Gute Vorsätze – aber SMART

Der eine belächelt sie nur müde, für den anderen sind sie fester Bestandteil eines jeden Jahreswechsels: die guten Vorsätze. Ob es sich um die Verbesserung der Fitness, das Erlernen einer neuen Sprache oder die berufliche Weiterentwicklung handelt – viele Menschen nehmen sich vor, ihr Leben zu verändern. Doch wie oft bleiben diese Vorhaben unvollendet oder werden nach wenigen Wochen wieder aufgegeben?

Ein Grund für das Scheitern von guten Vorsätzen liegt oft in der fehlenden Realisierbarkeit. Zu ambitionierte Ziele, die über einen kurzen Zeitraum hinweg nicht zu erreichen sind, führen schnell zu Frustration. Zieldefinition und -formulierung gehören zu den wichtigsten Bausteinen, wenn es darum geht, eine Veränderung herbei zu führen.

Die bekannte SMART-Methode (spezifisch, messbar, attraktiv, realisierbar, terminiert) kann hierbei als hilfreiches Werkzeug dienen.

💡Spezifisch:
Viele Vorsätze lauten zum Beispiel: „Ich möchte fitter werden.“
Ein spezifisches (und damit viel wahrscheinlicher erfüllbares) Ziel ist so formuliert: „Ich möchte dreimal pro Woche ins Fitnessstudio gehen.“

💡Messbar:
Messbar ist dieses Ziel auch direkt, weil wir die drei Trainingseinheiten im Terminkalender eintragen und damit monatlich überprüfen können, ob wir noch gut dabei sind.

💡Attraktiv:
Ein attraktives Ziel ist eines, das uns motiviert, es zu erreichen. Wenn ich nur fitter werden möchte, weil mein Arzt meint, dass das für meinen Blutdruck gut wäre, ist das viel weniger attraktiv als wenn ich mir von mehr Fitness direkte Auswirkungen auf mein Leben erhoffe. Wenn mir klar ist, dass mein fitteres Ich Ende 2025 locker drei Stunden wandern gehen oder mit den Kindern (ohne ständige Verschnaufpausen) im Garten toben kann, dann zieht das mehr.

💡Realisierbar:
Und das bringt uns auch direkt zum nächsten Punkt: War ich bisher ein Bewegungsmuffel und kämpfe mit 20 kg Übergewicht, dann ist der Boston Marathon im nächsten Jahr evtl. ein zu hoch gestecktes Ziel. Realisierbare Ziele machen Spaß und motivieren zum Dranbleiben.

💡Terminiert:
Zu guter Letzt: Ein gut formuliertes Ziel ist terminiert. Ein klarer Zeitrahmen hilft, den Fortschritt zu überwachen, den Fokus zu behalten und motiviert zu bleiben. Kleine Schritte mit kurzen Terminen.

Und immer im Kopf behalten: Die Umsetzung von guten Vorsätzen ist kein einmaliges Event, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Rückschläge gehören dazu, aber sie sollten nicht entmutigen. Vielmehr können sie als Lernchancen betrachtet werden, um sich selbst besser zu verstehen und die eigenen Ziele gegebenenfalls neu zu formulieren. Dann ist dieser 1. Januar auch gar nicht mehr so wichtig. Veränderung findet ständig statt! Was wir wirklich ändern wollen (!), das muss nicht bis Silvester warten.

Habt ihr Vorsätze?
Wie geht ihr generell mit selbstgesteckten Zielen um – formuliert ihr sie sauber aus oder schweben sie eher im Hintergrund mit?

2024-12-19 Familienzoff unterm Weihnachtsbaum

Ab einem bestimmten Alter hat fast jeder eine Geschichte zum Thema „gecrashtes Weihnachten“ zu erzählen. Die Weihnachtsfeiertage scheinen fast prädestiniert für Stress mit der Verwandtschaft.
Viele Menschen haben eine idealisierte Vorstellung davon, wie die Feiertage aussehen sollten: Harmonische Familientreffen, festliches Essen und beschenkte Kinderaugen – davon haben wir in den letzten Posts schon gesprochen. Diese Erwartungen können enormen Druck erzeugen. Wenn die Realität nicht mit diesen Vorstellungen übereinstimmt, entstehen Enttäuschungen, die leicht in Streitigkeiten umschlagen können.

😈Typische Konfliktauslöser sind:

1. Familienkonstellationen: Unterschiedliche Familienstrukturen und -traditionen können zu Missverständnissen führen. Es gibt oft unterschiedliche Auffassungen zu Feiertagsbräuchen und -ritualen, die Konflikte hervorrufen können.

2. Finanzielle Belastungen: Die finanziellen Aspekte der Geschenke, das Festessen und die Dekoration können zusätzlichen Stress erzeugen. Wenn die finanzielle Situation angespannt ist, kann das leicht zu Streitigkeiten führen.

3. Emotionale Belastungen: Weihnachten kann für viele auch eine einsame Zeit sein, besonders für Menschen, die kürzlich einen geliebten Menschen verloren haben. Diese Traurigkeit kann sich in Reizbarkeit und Konflikten äußern. Außerdem ist Weihnachten eine intensive Zeit. Oft ruht die Arbeit und wir haben Zeit, uns mit uns selbst und unserer Familie zu beschäftigen. Das kann alten Konflikten Raum verschaffen, die sich dann sprichwörtlich unter dem Weihnachtsbaum entladen.

❤️Um die Feiertage harmonischer zu gestalten, helfen folgende Strategien:

1. Realistische Erwartungen setzen: Anstatt dich von idealisierten Bildern leiten zu lassen, mach dir bewusst, dass Weihnachten nicht perfekt sein muss. Flexibilität und Anpassungsfähigkeit sind entscheidend.

2. Offene Kommunikation: Sprich im Voraus über Pläne, Erwartungen und Bedenken. Kläre, was dir wichtig ist, und höre zu, was andere zu sagen haben.

3. Gemeinsame Rituale aufbauen: Findet traditionsübergreifende Rituale, die für alle Familienmitglieder angenehm sind. Dies schafft eine gemeinsame Basis und führt dazu, dass sich jeder integriert fühlt.

4. Stressmanagement: Nimm dir Zeit für sich selbst. Tu immer wieder zwischendrin Dinge, die dir gut tun und durch die du auftanken kannst.

5. Grenzen setzen: Wenn es bestimmte Themen gibt, die in der Familie immer wieder zu Konflikten führen, setze Grenzen. Es spricht auch nichts dagegen, bestimmte Themen für die Feiertage mit einem kleinen Augenzwinkern ruhen zu lassen.


🎄Die Weihnachtszeit muss keine Zeit voller Konflikte und Streitigkeiten sein. Indem wir unsere Erwartungen realistisch anpassen, offen kommunizieren und bei Bedarf wertschätzend Grenzen ziehen, können wir die Feiertage als das verbringen, was sie sein sollten: eine Zeit der Liebe, des Miteinanders und der Freude.

2024-12-12 Schenk doch mal Anders!

In den Tagen nach Weihnachten wird in den Kaufhäusern überproportional viel umgetauscht. Man schenkt, was das Zeug hält – doch nicht immer macht es den Beschenkten so glücklich, wie man es sich und ihm wünscht. Abgesehen davon kostet das ganze Geschenkezinnober auch noch einen Haufen Geld und macht Müll. Wir haben euch ein paar Impulse zusammengestellt, wie ihr mal ganz anders schenken könnt. Persönlich, nachhaltig und meist auch noch kostengünstig.

🎁1. Der Klassiker: Wichtelt doch mal!
Mittlerweile ist es in vielen Familien Tradition: Statt dass jeder jedem etwas schenkt, wird ausgelost, wer wen beschenkt. So schenkt jede Person nur ein Geschenk und bekommt auch nur von einer Person etwas geschenkt. Spaß macht vor allem, nach dem Auspacken zu raten, wer der eigene Wichtel war. 😊 Wichteln eignet sich vor allem für etwas größere Gruppen ab ca. 6 Personen ohne jüngere Kinder.

💌2. Schenke persönlich.
Ein handgeschriebener Brief oder ein Gedicht, in dem du der beschenkten Person Wertschätzung entgegenbringst, ist ein Geschenk, das für immer aufbewahrt wird. Ein Fotoalbum oder Scrapbook mit vielen gemeinsamen Erinnerungen könnt ihr immer wieder gemeinsam ansehen und in den guten alten Zeiten schwelgen.

🚙3. Schenke Zeit statt Dinge.
Fahre mit deinen Patenkindern in ein tolles Schwimmbad. Mache eine Wanderung mit deiner Schwester und organisiere ein Picknick. Macht einen Tagesausflug in eine größere Stadt und geht in ein spannendes Museum. Diese Dinge lassen sich gut als Gutscheine schenken, die du mit Liebe gestalten kannst.

🧑‍🍳4. Kannst du etwas besonders gut?
Wenn du gut kochen kannst, lade deine Freunde zu einem gemütlichen gemeinsamen Kochen ein. Bist du handwerklich begabt, dann biete deine Hilfe an, wenn jemand umzieht oder schreinere ein tolles Regal. Wenn du gerne malst, male ein Bild, das eine Bedeutung für dich hat.

❤️5. Tut etwas Gutes!
Vielleicht möchtet ihr einfach gemeinsam Raclette essen und euch gar nichts schenken. Arbeitet eine/r von euch ehrenamtlich bei einer lokalen Einrichtung, die sich für Menschen in Not einsetzt? Vielleicht habt ihr Lust, gemeinsam einen Betrag dorthin zu spenden oder ein paar Zeitstunden dort zu verbringen – einen Jugendraum ausbauen, eine Scheune zu renovieren, einen Kleiderverkauf zu betreuen? Das ist die wohl christlichste Art zu schenken.

Was schenkt ihr gerne und über was würdet ihr euch freuen?
Habt ihr weitere Anregungen, wie man weniger materiell schenken kann?
Schreibt es gerne in die Kommentare.

2024-12-05 Bring Deine Augen wieder zum Leuchten

🎁„Weihnachten war letztes Jahr einfach perfekt!“ schwärmt mir mein Zehnjähriger vor. „So tolle Geschenke, so viel Besuch, es war die ganze Zeit etwas los und es war nie langweilig!“
🍪„Am besten war das Backen,“ meint die Siebenjährige. „Fünf Sorten Plätzchen haben wir zu Hause gebacken und nochmal drei Sorten bei Oma!! Dieses Jahr will ich mindestens 20 verschiedene Sorten haben!“
🎅„Ich habe den Weihnachtsmann gesehen,“ behauptet felsenfest der Dreijährige. „Den echten! Und dieses Jahr darf ich mit ihm zusammen die Geschenke verteilen. Hat er gesagt. Ehrlich wahr.“

Sechs Augen funkeln mich an. Nur noch wenige Tage bis Weihnachten. Die Vorfreude ist riesig und wie jedes Jahr werde ich fast ein bisschen betreten, weil ich so viel weniger davon spüre.

Ich erinnere mich an Weihnachten als Kind. Es war gigantisch. Der Baum war riesig, bestimmt größer als das ganze Haus! Es gab Geschenke, mehr als ich zählen konnte (wenn ich meine Eltern frage, waren es gar nicht so furchtbar viele). Die Weihnachtszeit war magisch und besonders und einfach wundervoll.

Eltern können sich zuweilen mitreißen lassen. Leuchtende Kinderaugen sind ansteckender als es Covid jemals war – man kann sich kaum verwehren. Aber was tun, wenn man nicht (mehr) mit Kindern zusammenlebt?
Nun, wir alle haben ein Kind in uns. Das Kind, das wir einmal waren, das ist da noch. Und wir dürfen ihm getrost hin und wieder das Ruder übergeben und hinschauen, worauf es uns aufmerksam macht.

🍪Triff Dich mit Freunden, und backt zusammen Plätzchen!
🫏Die Krippe auf dem Weihnachtsmarkt hat einen Streichelzoo? Kauf Futter und gib den Ziegen etwas. Auch wenn du 70 bist.
🎁Der Lego-Adventskalender sieht super gut aus? Heute kannst du ihn dir einfach kaufen, tu es!
🎄Das Plastiklametta am Weihnachtsbaum im Supermarkt glitzert so schön? Schau es an. Mach ein Foto. Fühle mal, wie sich das Lametta zwischen deinen Fingern anfühlt. (Vorteil: Als Erwachsener kommt da keine nervige Stimme aus dem Hintergrund, die dir erklärt, dass man das nicht anfassen darf.)
🍪Die Bäckerei verkauft Tüten mit Weihnachtsplätzchen? Kauf dir eine und iss die ganze Tüte noch im Auto leer, wenn du Lust darauf hast!
🎄Schmücke deinen Christbaum so, wie du ihn liebst. Rotgold wie jedes Jahr, wenn du möchtest. Oder knallbunt. Warum? Ganz einfach: Weil du es kannst.

Mach dir ein Weihnachten, das du liebst. Mach dir DEIN Weihnachten.

2024-11-21 Was ist wichtig?

Ein neuer Fernseher.
Zwei Wochen Urlaub mit der Familie.
Der Porsche.
Weihnachtsbacken.
Ein Waldspaziergang.
Ein guter Tropfen Wein.

Ich habe hier Dinge aufgelistet, die viele Menschen mögen und die vielen Menschen wichtig sind. Vielleicht überkommt dich ein wohliges Gefühl bei einem dieser Punkte, während andere dich relativ kalt lassen oder du sie sogar mit Befremden gelesen hast.
Manche Dinge haben einen Wert für dich, sind wertvoll. Andere nicht.

Aber woher weißt du eigentlich, was wertvoll für dich ist? Wie entscheidest du, wofür du Geld ausgibst oder welchen Dingen du kostbare Zeit widmest?

Fragen kannst du niemanden, denn:
Niemand außer dir selbst kann darüber urteilen, ob das, was dir wichtig ist, wertvoll ist. Was für dich einen Wert hat, ist letztlich also frei von Bewertung von außen. Nur du selbst hast die Verantwortung, deinen Dingen einen Wert zuzuschreiben. Das passiert oft ganz automatisch. Manchmal aber glauben wir auch nur, dass uns Dinge wertvoll sind. Sei es aus Routine oder weil wir eben doch Fremdbewertungen mehr trauen als uns selbst.

Genau das macht es so sinnvoll, ab und an innezuhalten und abzugleichen, ob ich hier noch „auf Kurs“ bin.
Welches Bedürfnis erfülle ich mir mit einer Sache? Hat das, wofür ich Zeit oder Geld einsetze, einen Wert für mich? Gibt es Dinge, die mir eigentlich wichtiger sind?

Die Antworten auf diese Fragen sind wertvolle Wegweiser, denen ich vertrauen sollte.

2024-11-14 Zeit ist Geld

Wocheneinkauf für die Familie, 220€.
Geburtstagsgeschenk für die Freundin, 20 €.
Hundefutter, 60€.
Ein paar Chrysanthemen für den Balkon, 40€.
Eine neue Regenjacke für den Kleinen online bestellt, 30€.

Wir verdienen Geld und wir geben Geld aus. Viele Menschen beklagen sich über gestiegene Preise. Urlaub, Benzin, Mietpreise, Lebensmittel – das alles ist teuer geworden. Gestiegene Preise erhöhen den Wert unserer Zeit, denn Zeit ist Geld, weiß man ja.

Wir können natürlich versuchen, immer effizienter unsere Jobs zu machen, unseren Haushalt teilweise von Saugrobotern übernehmen zu lassen, Termine zusammenzulegen, um Zeit zu sparen. Die gewonnene Zeit können wir nutzen, um mehr Geld zu verdienen und damit unsere Rechnungen zu bezahlen und unseren Standard halten zu können. Es lebe das Bruttoinlandsprodukt.

Oder wir denken andersherum: Wir kaufen uns Zeit. Wir leisten uns eine Haushaltshilfe, wir lassen uns Samstagmittag das Essen liefern, wir bezahlen einen Babysitter und gewinnen dadurch Zeit, die wir für all das nutzen können, womit sich eben KEIN Geld verdienen lässt.
Ein Ausflug. Ein gutes Buch. Ein heißes Bad. Ein Herbstspaziergang mit der Familie. Ein Kaffee mit dem Nachbarn.

Dafür müssen wir an irgendeiner Stelle verzichten, ja. Aber glückliche Momente zu erleben hat ein unglaubliches Potenzial. Und vielleicht merken wir sehr schnell, dass mehr Zeit uns viel mehr wert ist als wir gedacht hätten.

Tauscht ihr manchmal bewusst Geld gegen Zeit ein?

2024-11-07 Es geht nicht weil

Eine Haushaltshilfe engagieren?
Das geht nicht, weil ich sowieso niemanden finde, der das genauso gut macht wie ich.

Regional und saisonal einkaufen?
Das geht nicht, weil das viel zu teuer ist!

Weniger arbeiten?
Das geht nicht, weil das sonst nicht klappt mit dem nächsten Karriereschritt.

Den Rasen einfach erst nächste Woche mähen?
Das geht nicht – weil … ja was sollen denn die Nachbarn denken??

Die Stelle mit zwei Teilzeitkräften besetzen?
Das geht nicht, weil das immer eine Stelle für eine Vollzeitkraft war!

Einmal pro Woche mit meinem Partner ausgehen?
Das geht nicht, weil wir sowieso keinen Babysitter finden.

Das Geschenk für die Schwiegermutter vom Partner aussuchen lassen?
Das geht nicht, weil der das sowieso falsch macht.

Den Elternabend sausen lassen, nur weil man krank ist?
Das geht nicht, weil die Lehrkräfte sonst denken, wir seien eine asoziale und desinteressierte Familie.

Die Weihnachtskarten dieses Jahr einfach weglassen?
Das geht nicht, weil mein Umsatz 2025 sonst hundertprozentig einbricht.

Ganz schön viel geht nicht. Aber für ganz schön viele „Geht-nicht“s lassen sich „Geht-ja-doch“s finden, wenn wir einen Moment lang weiterdenken. Ein bisschen Lösungsorientierung zulassen. Und kurz hinterfragen, was unser tatsächliches Problem ist.
Drehen wir die Aussage also einfach mal um, wenn uns eins der Dinge da oben wichtig ist.
Es geht nicht weil…. – dreht sich dann um in – Was muss ich tun damit…
Probiert es aus!

2024-10-25 Den Wald vor lauter Bäumen nicht …

Ich bin gerade in der Hochphase eines Projekts. Es läuft gut! Ich habe alles im Griff. Ich weiß, wo es lang geht. Heute musste ich länger als geplant arbeiten, ok, aber gestern lief alles nach Plan. Oder vorgestern. Vielleicht ist es auch schon länger her. Aber ich habe alles im Griff. Ich weiß den Weg. Also ich glaube, dass ich den Weg weiß. Hier geht’s links. So halblinks irgendwie, glaube ich. Ich schaue mal nach dem Stand der Sonne. Der Himmel ist bedeckt, blöd. Vielleicht geht’s auch rechts? Nein, unmöglich. Ich weiß doch die Richtung! Wie viel Uhr ist es eigentlich? Ich muss über das eine Thema endlich mal nachdenken. Ich hab da doch eine Lösung im Kopf gehabt, die scheint jetzt aber doch nicht ganz so zu klappen… Weiß mein Chef eigentlich davon? Ohje. Was sagen die Zahlen? Die Ziffern verschwimmen vor meinen Augen.
Ich. Weiß. Nicht. Mehr. Weiter.

Ich behaupte, wir kennen das alle. Jeder von uns manövriert sich von Zeit zu Zeit in eine Situation, in der er feststeckt. Nicht weiterkommt. In der er den sprichwörtlichen Wald vor lauter Bäumen nicht sieht. Das fühlt sich ätzend an und kaum einer möchte sich so fühlen.

Lässt es sich verhindern?
Nun, seien wir ehrlich: Nein. Nicht sofort und nicht immer. Denn um das zu können – rechtzeitig genügend Abstand zu einer Situation herzustellen – sind drei Dinge nötig:

1. Du musst schon einmal „dringesteckt“ haben. Klingt doof, ist aber so. Du musst erlebt haben, wie es ist, wenn du den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr siehst.
2. Du musst wieder rausgefunden haben. Denn wenn du noch drinsteckst, geht Punkt 3 nicht, der lautet:
3. Du musst reflektiert haben, welche Trigger es waren, die dich den Überblick haben verlieren lassen. Und das können ganz unterschiedliche Trigger sein.
Es gibt also durchaus etwas, dass du tun kannst!

Du kannst dir für Punkt 2 und 3 Unterstützung holen. Jemanden, der mit dir gemeinsam ein paar Schritte rückwärts geht, bis du so viel Abstand hast, dass du rechtzeitig anders abbiegen kannst. Jemanden, der mit dir die Fragen klärt:
Wo bin ich? Wo will ich hin? Und was muss ich tun, um dort hinzugelangen?

So kannst du es schaffen, beim nächsten Mal achtsam und fokussiert auf deinem Weg zu bleiben und den Wald in all seiner Schönheit sehen zu können.

Wir können dir dabei helfen. 

2024/04/11 Deine Zeit zählt

Ein Auto hupt, ich erschrecke mich und drehe mich um. Das Auto fährt den Bordstein hoch und hält neben mir an. Das Fenster geht runter. Es ist Klaus. Von Klaus weiß ich nicht viel, außer dass er Architekt ist und in den nächsten Jahren in Rente geht. Und eine Hündin hat, die mein Hund sehr schätzt. Wir wohnen in derselben Straße und gehen seit einiger Zeit manchmal zusammen spazieren, wenn wir uns zufällig treffen.

„Wie schön, dich zu sehen! Du warst ja wie vom Erdboden verschluckt. Wie geht es dir?“ frage ich.

Klaus steigt aus und kommt ein bisschen näher. „Nicht so gut, um ehrlich zu sein. Ich hatte vor zwei Monaten eine Lungenembolie.“

In den nächsten Minuten erzählt mir Klaus die Geschichte. Er erzählt von dem komischen Gefühl im Bauch an diesem einen Dienstagabend. Und von dem Gefühl, ein bisschen schlechter Luft zu bekommen. Nicht gravierend, aber doch beängstigend.

Klaus hat die richtige Entscheidung getroffen und ist in die Notaufnahme gefahren. Dann ging alles ganz schnell.

Klaus lebt. Er steht hier vor mir. Das Lächeln etwas weniger breit und ein bisschen blass um die Nasenspitze. Es war eine knappe Geschichte, erzählt er. Er könnte genauso gut tot sein. Aber er lebt.

„Was mich verrückt macht, ist die Angst. Körperlich geht’s mir wieder ganz gut so weit, aber beim kleinsten Pieksen irgendwo in der Brust werde ich wahnsinnig.“ sagt er leise. „Ich hatte in letzter Zeit so viele Reisepläne für die Rente gemacht. Wenn man dann so was erlebt, fragt man sich, ob sich das Planen überhaupt lohnt.“

Dann wird er nachdenklich. „Ich habe mich so oft in meinem Leben über eigentlich völlig belanglosen Kram geärgert. Was für eine Verschwendung von Lebenszeit. Es kann morgen vorbei sein. Es kann heute Abend vorbei sein. Es kann in zwei Minuten vorbei sein!“

Wir reden noch ein bisschen weiter und verabschieden uns dann. Langsam laufe ich mit meinem Hund die letzten Schritte nach Hause.

Ja, es stimmt. Wir haben nur dieses eine Leben. Niemand kann uns sagen, wie lange es noch andauernd wird. Unsere Zeit ist kostbar. Diese Kostbarkeit wird uns umso bewusster, je mehr wir den Fakt an uns heranlassen, dass unser Leben endlich ist. Eines Tages sind wir nicht mehr hier auf dieser Welt. In unseren letzten Minuten zählt vielleicht mehr denn je, wie wir dieses Leben gefüllt haben. Es sind die Begegnungen, die wir hatten. Die Gefühle, die wir gefühlt haben und die, die wir hinterlassen. In den Erinnerungen unserer Mitmenschen leben wir weiter. So können wir über unseren Tod hinaus positiv wirken.

Wenn man Menschen auf dem Sterbebett fragt, was sie bereuen, antwortet keiner: „Ich wünschte, ich hätte mehr gearbeitet. Ich wünschte, ich hätte ein größeres Haus gekauft. Ich bereue es, so viel Zeit damit verschwendet zu haben, meinen Kindern jeden Abend vorzulesen.“

Nein, sie antworten: „Ich hätte mir mehr Zeit für die Menschen nehmen sollen, die mir etwas bedeuten.“

Nutze deine Tage. Deine Stunden. Deine Sekunden. Sie sind wertvoll. Und du bist es auch. Am meisten für die Menschen, die dich lieben. Deshalb mach ihnen das größte Geschenk, das du zu geben hast: Deine Zeit. 

[Eventuelle Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind NICHT zufällig. 

Klaus (der eigentlich anders heißt), wenn du das liest: Ich danke dir von Herzen für unser Gespräch, das mich sehr bewegt hat. Schön, dass es dich gibt.]