2024-10-25 Den Wald vor lauter Bäumen nicht …

Ich bin gerade in der Hochphase eines Projekts. Es läuft gut! Ich habe alles im Griff. Ich weiß, wo es lang geht. Heute musste ich länger als geplant arbeiten, ok, aber gestern lief alles nach Plan. Oder vorgestern. Vielleicht ist es auch schon länger her. Aber ich habe alles im Griff. Ich weiß den Weg. Also ich glaube, dass ich den Weg weiß. Hier geht’s links. So halblinks irgendwie, glaube ich. Ich schaue mal nach dem Stand der Sonne. Der Himmel ist bedeckt, blöd. Vielleicht geht’s auch rechts? Nein, unmöglich. Ich weiß doch die Richtung! Wie viel Uhr ist es eigentlich? Ich muss über das eine Thema endlich mal nachdenken. Ich hab da doch eine Lösung im Kopf gehabt, die scheint jetzt aber doch nicht ganz so zu klappen… Weiß mein Chef eigentlich davon? Ohje. Was sagen die Zahlen? Die Ziffern verschwimmen vor meinen Augen.
Ich. Weiß. Nicht. Mehr. Weiter.

Ich behaupte, wir kennen das alle. Jeder von uns manövriert sich von Zeit zu Zeit in eine Situation, in der er feststeckt. Nicht weiterkommt. In der er den sprichwörtlichen Wald vor lauter Bäumen nicht sieht. Das fühlt sich ätzend an und kaum einer möchte sich so fühlen.

Lässt es sich verhindern?
Nun, seien wir ehrlich: Nein. Nicht sofort und nicht immer. Denn um das zu können – rechtzeitig genügend Abstand zu einer Situation herzustellen – sind drei Dinge nötig:

1. Du musst schon einmal „dringesteckt“ haben. Klingt doof, ist aber so. Du musst erlebt haben, wie es ist, wenn du den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr siehst.
2. Du musst wieder rausgefunden haben. Denn wenn du noch drinsteckst, geht Punkt 3 nicht, der lautet:
3. Du musst reflektiert haben, welche Trigger es waren, die dich den Überblick haben verlieren lassen. Und das können ganz unterschiedliche Trigger sein.
Es gibt also durchaus etwas, dass du tun kannst!

Du kannst dir für Punkt 2 und 3 Unterstützung holen. Jemanden, der mit dir gemeinsam ein paar Schritte rückwärts geht, bis du so viel Abstand hast, dass du rechtzeitig anders abbiegen kannst. Jemanden, der mit dir die Fragen klärt:
Wo bin ich? Wo will ich hin? Und was muss ich tun, um dort hinzugelangen?

So kannst du es schaffen, beim nächsten Mal achtsam und fokussiert auf deinem Weg zu bleiben und den Wald in all seiner Schönheit sehen zu können.

Wir können dir dabei helfen. 

2024/04/11 Deine Zeit zählt

Ein Auto hupt, ich erschrecke mich und drehe mich um. Das Auto fährt den Bordstein hoch und hält neben mir an. Das Fenster geht runter. Es ist Klaus. Von Klaus weiß ich nicht viel, außer dass er Architekt ist und in den nächsten Jahren in Rente geht. Und eine Hündin hat, die mein Hund sehr schätzt. Wir wohnen in derselben Straße und gehen seit einiger Zeit manchmal zusammen spazieren, wenn wir uns zufällig treffen.

„Wie schön, dich zu sehen! Du warst ja wie vom Erdboden verschluckt. Wie geht es dir?“ frage ich.

Klaus steigt aus und kommt ein bisschen näher. „Nicht so gut, um ehrlich zu sein. Ich hatte vor zwei Monaten eine Lungenembolie.“

In den nächsten Minuten erzählt mir Klaus die Geschichte. Er erzählt von dem komischen Gefühl im Bauch an diesem einen Dienstagabend. Und von dem Gefühl, ein bisschen schlechter Luft zu bekommen. Nicht gravierend, aber doch beängstigend.

Klaus hat die richtige Entscheidung getroffen und ist in die Notaufnahme gefahren. Dann ging alles ganz schnell.

Klaus lebt. Er steht hier vor mir. Das Lächeln etwas weniger breit und ein bisschen blass um die Nasenspitze. Es war eine knappe Geschichte, erzählt er. Er könnte genauso gut tot sein. Aber er lebt.

„Was mich verrückt macht, ist die Angst. Körperlich geht’s mir wieder ganz gut so weit, aber beim kleinsten Pieksen irgendwo in der Brust werde ich wahnsinnig.“ sagt er leise. „Ich hatte in letzter Zeit so viele Reisepläne für die Rente gemacht. Wenn man dann so was erlebt, fragt man sich, ob sich das Planen überhaupt lohnt.“

Dann wird er nachdenklich. „Ich habe mich so oft in meinem Leben über eigentlich völlig belanglosen Kram geärgert. Was für eine Verschwendung von Lebenszeit. Es kann morgen vorbei sein. Es kann heute Abend vorbei sein. Es kann in zwei Minuten vorbei sein!“

Wir reden noch ein bisschen weiter und verabschieden uns dann. Langsam laufe ich mit meinem Hund die letzten Schritte nach Hause.

Ja, es stimmt. Wir haben nur dieses eine Leben. Niemand kann uns sagen, wie lange es noch andauernd wird. Unsere Zeit ist kostbar. Diese Kostbarkeit wird uns umso bewusster, je mehr wir den Fakt an uns heranlassen, dass unser Leben endlich ist. Eines Tages sind wir nicht mehr hier auf dieser Welt. In unseren letzten Minuten zählt vielleicht mehr denn je, wie wir dieses Leben gefüllt haben. Es sind die Begegnungen, die wir hatten. Die Gefühle, die wir gefühlt haben und die, die wir hinterlassen. In den Erinnerungen unserer Mitmenschen leben wir weiter. So können wir über unseren Tod hinaus positiv wirken.

Wenn man Menschen auf dem Sterbebett fragt, was sie bereuen, antwortet keiner: „Ich wünschte, ich hätte mehr gearbeitet. Ich wünschte, ich hätte ein größeres Haus gekauft. Ich bereue es, so viel Zeit damit verschwendet zu haben, meinen Kindern jeden Abend vorzulesen.“

Nein, sie antworten: „Ich hätte mir mehr Zeit für die Menschen nehmen sollen, die mir etwas bedeuten.“

Nutze deine Tage. Deine Stunden. Deine Sekunden. Sie sind wertvoll. Und du bist es auch. Am meisten für die Menschen, die dich lieben. Deshalb mach ihnen das größte Geschenk, das du zu geben hast: Deine Zeit. 

[Eventuelle Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind NICHT zufällig. 

Klaus (der eigentlich anders heißt), wenn du das liest: Ich danke dir von Herzen für unser Gespräch, das mich sehr bewegt hat. Schön, dass es dich gibt.]

2024/cw12 IMPULS DER WOCHE

Wir haben in den letzten Artikeln ein bisschen für das Zulassen von Bauchentscheidungen geworben und auch herausgearbeitet, welche Potenziale sie haben. Der unternehmerische Alltag ist aber mehr, als intuitive und spontane Entscheidungen zu treffen. Jede erfolgreiche Führungskraft folgt einer Strategie. Orientierung gebenden Zielen. In einem Framework, in dem diese Ziele umgesetzt werden.

Eine Strategie erleichtert den gesamten Folgeprozess und schafft erneut Zeit, die sinnvoll genutzt werden kann. Es ist ratsam, sich bewusst Freiräume zu schaffen, um strategisch zu denken und zu planen. Sie können dazu an einem Samstag in ihr Büro kommen, wenn Sie dann niemand stören wird. Sie können aber auch einen Tag durch den Wald wandern. Es spielt keine Rolle.

Entscheidend ist lediglich die innere Einstellung: Jetzt gibt es nichts Wichtigeres als meine Gedanken.