2025-01-02 Ein gesegnetes Neues Jahr

„Prüft alles und behaltet das Gute!“, 1. Thessalonicher 5,21

Liebe Freunde und Geschäftspartner,
ein Freund schickte mir zum neuen Jahr eine Sammlung von Sprüchen aus Persien.
Dazu muss man wissen: Ich sammle Sprichworte. Wenn sie mir gefallen, behalte ich diese.
Dieses Jahr hat mir besonders folgender Spruch gefallen (der im Übrigen auch zu einigen unserer Postes dieses Jahr passt):
„Höflichkeit ist ein Wert, der nicht nur den Empfänger, sondern auch den Spender bereichert.“

Beim Lesen dieser Sprüche ist mir der Altjahresabendgottesdienst in den Sinn gekommen, aus dem ein Gedanke hängengeblieben ist, der mich nicht mehr loslassen will.
Da ging es auch um zwei Sprüche, nun nicht ganz aus Persien, aber aus einem Land, das wir heute Palästina nennen.
Und rund 2000 Jahre alt.

Wir haben letztes Jahr die Jahreslosung gehabt:
„Alles was Ihr tut, geschehe in Liebe“, 1. Korinther 16,14
– das hat sich in dieses Jahr in
„Prüft alles und behaltet das Gute!“, 1. Thessalonicher 5,21
geändert.

Wenn wir uns das im Lichte der Themen, die vor uns stehen, anschauen, dann kann ich mich da nur aus ganzem Herzen anschließen.
Warum?
Ein Beispiel gefällig?
Wie lieblos sind wir im letzten Jahr mit der Ampel und anderen Politikern umgegangen?! Da kommt es gerade recht, dass wir uns für die Wahl alles ganz genau anschauen und das Gute davon behalten!

Da sage noch jemand, das Wort Gottes hätte uns heute nichts mehr zu sagen.
So wünsche ich uns allen ein gesegnetes neues Jahr 2025, in dem wir uns die guten Dinge herauspicken und behalten.
Martin Souchon
mit dem SMC Team

2024-12-19 Familienzoff unterm Weihnachtsbaum

Ab einem bestimmten Alter hat fast jeder eine Geschichte zum Thema „gecrashtes Weihnachten“ zu erzählen. Die Weihnachtsfeiertage scheinen fast prädestiniert für Stress mit der Verwandtschaft.
Viele Menschen haben eine idealisierte Vorstellung davon, wie die Feiertage aussehen sollten: Harmonische Familientreffen, festliches Essen und beschenkte Kinderaugen – davon haben wir in den letzten Posts schon gesprochen. Diese Erwartungen können enormen Druck erzeugen. Wenn die Realität nicht mit diesen Vorstellungen übereinstimmt, entstehen Enttäuschungen, die leicht in Streitigkeiten umschlagen können.

😈Typische Konfliktauslöser sind:

1. Familienkonstellationen: Unterschiedliche Familienstrukturen und -traditionen können zu Missverständnissen führen. Es gibt oft unterschiedliche Auffassungen zu Feiertagsbräuchen und -ritualen, die Konflikte hervorrufen können.

2. Finanzielle Belastungen: Die finanziellen Aspekte der Geschenke, das Festessen und die Dekoration können zusätzlichen Stress erzeugen. Wenn die finanzielle Situation angespannt ist, kann das leicht zu Streitigkeiten führen.

3. Emotionale Belastungen: Weihnachten kann für viele auch eine einsame Zeit sein, besonders für Menschen, die kürzlich einen geliebten Menschen verloren haben. Diese Traurigkeit kann sich in Reizbarkeit und Konflikten äußern. Außerdem ist Weihnachten eine intensive Zeit. Oft ruht die Arbeit und wir haben Zeit, uns mit uns selbst und unserer Familie zu beschäftigen. Das kann alten Konflikten Raum verschaffen, die sich dann sprichwörtlich unter dem Weihnachtsbaum entladen.

❤️Um die Feiertage harmonischer zu gestalten, helfen folgende Strategien:

1. Realistische Erwartungen setzen: Anstatt dich von idealisierten Bildern leiten zu lassen, mach dir bewusst, dass Weihnachten nicht perfekt sein muss. Flexibilität und Anpassungsfähigkeit sind entscheidend.

2. Offene Kommunikation: Sprich im Voraus über Pläne, Erwartungen und Bedenken. Kläre, was dir wichtig ist, und höre zu, was andere zu sagen haben.

3. Gemeinsame Rituale aufbauen: Findet traditionsübergreifende Rituale, die für alle Familienmitglieder angenehm sind. Dies schafft eine gemeinsame Basis und führt dazu, dass sich jeder integriert fühlt.

4. Stressmanagement: Nimm dir Zeit für sich selbst. Tu immer wieder zwischendrin Dinge, die dir gut tun und durch die du auftanken kannst.

5. Grenzen setzen: Wenn es bestimmte Themen gibt, die in der Familie immer wieder zu Konflikten führen, setze Grenzen. Es spricht auch nichts dagegen, bestimmte Themen für die Feiertage mit einem kleinen Augenzwinkern ruhen zu lassen.


🎄Die Weihnachtszeit muss keine Zeit voller Konflikte und Streitigkeiten sein. Indem wir unsere Erwartungen realistisch anpassen, offen kommunizieren und bei Bedarf wertschätzend Grenzen ziehen, können wir die Feiertage als das verbringen, was sie sein sollten: eine Zeit der Liebe, des Miteinanders und der Freude.

2024-12-12 Schenk doch mal Anders!

In den Tagen nach Weihnachten wird in den Kaufhäusern überproportional viel umgetauscht. Man schenkt, was das Zeug hält – doch nicht immer macht es den Beschenkten so glücklich, wie man es sich und ihm wünscht. Abgesehen davon kostet das ganze Geschenkezinnober auch noch einen Haufen Geld und macht Müll. Wir haben euch ein paar Impulse zusammengestellt, wie ihr mal ganz anders schenken könnt. Persönlich, nachhaltig und meist auch noch kostengünstig.

🎁1. Der Klassiker: Wichtelt doch mal!
Mittlerweile ist es in vielen Familien Tradition: Statt dass jeder jedem etwas schenkt, wird ausgelost, wer wen beschenkt. So schenkt jede Person nur ein Geschenk und bekommt auch nur von einer Person etwas geschenkt. Spaß macht vor allem, nach dem Auspacken zu raten, wer der eigene Wichtel war. 😊 Wichteln eignet sich vor allem für etwas größere Gruppen ab ca. 6 Personen ohne jüngere Kinder.

💌2. Schenke persönlich.
Ein handgeschriebener Brief oder ein Gedicht, in dem du der beschenkten Person Wertschätzung entgegenbringst, ist ein Geschenk, das für immer aufbewahrt wird. Ein Fotoalbum oder Scrapbook mit vielen gemeinsamen Erinnerungen könnt ihr immer wieder gemeinsam ansehen und in den guten alten Zeiten schwelgen.

🚙3. Schenke Zeit statt Dinge.
Fahre mit deinen Patenkindern in ein tolles Schwimmbad. Mache eine Wanderung mit deiner Schwester und organisiere ein Picknick. Macht einen Tagesausflug in eine größere Stadt und geht in ein spannendes Museum. Diese Dinge lassen sich gut als Gutscheine schenken, die du mit Liebe gestalten kannst.

🧑‍🍳4. Kannst du etwas besonders gut?
Wenn du gut kochen kannst, lade deine Freunde zu einem gemütlichen gemeinsamen Kochen ein. Bist du handwerklich begabt, dann biete deine Hilfe an, wenn jemand umzieht oder schreinere ein tolles Regal. Wenn du gerne malst, male ein Bild, das eine Bedeutung für dich hat.

❤️5. Tut etwas Gutes!
Vielleicht möchtet ihr einfach gemeinsam Raclette essen und euch gar nichts schenken. Arbeitet eine/r von euch ehrenamtlich bei einer lokalen Einrichtung, die sich für Menschen in Not einsetzt? Vielleicht habt ihr Lust, gemeinsam einen Betrag dorthin zu spenden oder ein paar Zeitstunden dort zu verbringen – einen Jugendraum ausbauen, eine Scheune zu renovieren, einen Kleiderverkauf zu betreuen? Das ist die wohl christlichste Art zu schenken.

Was schenkt ihr gerne und über was würdet ihr euch freuen?
Habt ihr weitere Anregungen, wie man weniger materiell schenken kann?
Schreibt es gerne in die Kommentare.

2024-12-05 Bring Deine Augen wieder zum Leuchten

🎁„Weihnachten war letztes Jahr einfach perfekt!“ schwärmt mir mein Zehnjähriger vor. „So tolle Geschenke, so viel Besuch, es war die ganze Zeit etwas los und es war nie langweilig!“
🍪„Am besten war das Backen,“ meint die Siebenjährige. „Fünf Sorten Plätzchen haben wir zu Hause gebacken und nochmal drei Sorten bei Oma!! Dieses Jahr will ich mindestens 20 verschiedene Sorten haben!“
🎅„Ich habe den Weihnachtsmann gesehen,“ behauptet felsenfest der Dreijährige. „Den echten! Und dieses Jahr darf ich mit ihm zusammen die Geschenke verteilen. Hat er gesagt. Ehrlich wahr.“

Sechs Augen funkeln mich an. Nur noch wenige Tage bis Weihnachten. Die Vorfreude ist riesig und wie jedes Jahr werde ich fast ein bisschen betreten, weil ich so viel weniger davon spüre.

Ich erinnere mich an Weihnachten als Kind. Es war gigantisch. Der Baum war riesig, bestimmt größer als das ganze Haus! Es gab Geschenke, mehr als ich zählen konnte (wenn ich meine Eltern frage, waren es gar nicht so furchtbar viele). Die Weihnachtszeit war magisch und besonders und einfach wundervoll.

Eltern können sich zuweilen mitreißen lassen. Leuchtende Kinderaugen sind ansteckender als es Covid jemals war – man kann sich kaum verwehren. Aber was tun, wenn man nicht (mehr) mit Kindern zusammenlebt?
Nun, wir alle haben ein Kind in uns. Das Kind, das wir einmal waren, das ist da noch. Und wir dürfen ihm getrost hin und wieder das Ruder übergeben und hinschauen, worauf es uns aufmerksam macht.

🍪Triff Dich mit Freunden, und backt zusammen Plätzchen!
🫏Die Krippe auf dem Weihnachtsmarkt hat einen Streichelzoo? Kauf Futter und gib den Ziegen etwas. Auch wenn du 70 bist.
🎁Der Lego-Adventskalender sieht super gut aus? Heute kannst du ihn dir einfach kaufen, tu es!
🎄Das Plastiklametta am Weihnachtsbaum im Supermarkt glitzert so schön? Schau es an. Mach ein Foto. Fühle mal, wie sich das Lametta zwischen deinen Fingern anfühlt. (Vorteil: Als Erwachsener kommt da keine nervige Stimme aus dem Hintergrund, die dir erklärt, dass man das nicht anfassen darf.)
🍪Die Bäckerei verkauft Tüten mit Weihnachtsplätzchen? Kauf dir eine und iss die ganze Tüte noch im Auto leer, wenn du Lust darauf hast!
🎄Schmücke deinen Christbaum so, wie du ihn liebst. Rotgold wie jedes Jahr, wenn du möchtest. Oder knallbunt. Warum? Ganz einfach: Weil du es kannst.

Mach dir ein Weihnachten, das du liebst. Mach dir DEIN Weihnachten.

2024-11-28 Was ist uns die Weihnachtszeit wert?

In drei Tagen ist der erste Advent. Du sitzt im Auto, im Radio kommt Last Christmas. Freudig drehst du lauter und trommelst mit den Fingern den Rhythmus am Lenkrad mit. Die Kinder wollen heute Abend noch mit dir backen, deshalb fährst du nach der Arbeit noch zum Supermarkt und holst bunte Zuckerstreusel. Und die Adventskalender bestückst du dann auch noch, wenn die Kids später im Bett sind. Mitte Dezember ist die Weihnachtsfeier im Geschäft, dafür willst du morgen einen Tisch reservieren. Auf die Feier freust du dich natürlich schon seit Wochen, fast noch mehr als auf den 5-Euro-Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt. Und dann erst das Geschenkeshoppen in überfüllten Einkaufszentren!

Klingt abwegig? Ist Absicht.

Die meisten Menschen in christlich geprägten Kulturen würden durchaus von sich sagen, dass sie die Weihnachtszeit mögen. Es hat schon was Gemütliches, sich bei Mistwetter zu Hause einzukuscheln, zu backen, mit Freunden zu kochen, Weihnachtsfeiern zu besuchen.
Die organisatorische Kehrseite gibt es allerdings auch.

Weihnachten ist seit vielen Jahrzehnten ein Fest des Konsums, die Adventszeit ist voller Termine – kurz: Weihnachten ist oft stressig. Der Weihnachtsurlaub ist für viele Menschen bitter nötig, um sich davon ein bisschen zu erholen. Ist das im Sinne des Erfinders? Sicherlich nicht. Wir wissen das und wir sprechen seit Jahren über minimalistisches Weihnachten – weniger Geschenke, weniger Druck, mehr Zeit für unsere Lieben, mehr Besinnlichkeit.

Wir haben uns in den letzten beiden Posts damit befasst, dass wir identifizieren sollten, was uns wichtig ist. Was uns WERTVOLL ist. Dazu gehört auch, einmal ganz nüchtern Kosten und Nutzen gegeneinander abzuwägen, gerne am Beispiel der kommenden Adventszeit! Backen mit Kindern macht Spaß, ja. Und wenn man das anschließende Aufräumen und das Aufwischen einer Million heruntergefallender Zuckerstreusel mit einem Lächeln auf den Lippen macht, ist alles wunderbar. Wenn man aber feststellen sollte, dass man im Grunde nur aus Routine oder irgendwelchen Glaubenssätzen heraus einer Weihnachtstradition folgt, die einen gar nicht so glücklich macht, dann gibt es eine ganz ausgezeichnete Alternative:
Gekaufte Weihnachtsplätzchen. Die dritte Weihnachtsfeier sausen lassen. Last Christmas ausschalten und stattdessen übertrieben laut ACDCs „Highway to hell“ hören.

Weihnachten ist ein Fest für uns Menschen. Und so dürfen wir es auch feiern. Menschlich, authentisch und exakt so, dass WIR uns wohl damit fühlen.

Was ist euch wichtig in der Weihnachtszeit? Was macht euch glücklich, worauf würdet ihr nicht verzichten wollen?

2024-11-07 Allerheiligen

„Morgen ist Allerheiligen“, sage ich zu meinem Mann.
„Was ist Allaschneiligen?“ kräht mein Dreijähriger.
„Schulfrei ist das!“ ruft meine Siebenjährige lachend.
„Neee, da muss man zum Friedhof und Kerzen anzünden.“ belehrt mein Zehnjähriger seine Geschwister.

Ich google das kurz. Allerheiligen ist irgendwie katholisch und hat mit Gedenken an Verstorbene zu tun, so viel weiß ich.

Falls auch ihr euch ein bisschen unsicher seid, hier kurz etwas Theorie:
Allerheiligen ist ein christlicher Feiertag, der vor allem in der katholischen Tradition von Bedeutung ist. Die katholische Kirche hat unzählige Heilige, deshalb wurde irgendwann im 4. oder 5. Jahrhundert entschieden, ihrer gebündelt zu gedenken. Der 1. November wurde als fixer Termin etwas später eingeführt. Viele Protestanten lehnen die katholische Praxis der Heiligenverehrung ab. Für nicht gläubige Menschen hat der Feiertag ohnehin keine Bedeutung.

Ein Wahrnehmen dieses besonderen Tages kann sich meiner Ansicht nach für alle Menschen lohnen, ganz gleich welchen Glaubens. Im religiösen Kontext wird Heiligkeit zwar als Zustand der Trennung von profanen (weltlichen) Dingen betrachtet, hat aber schon lange auch einen kulturellen Kontext. Der Begriff „heilig“ hat ein Erbe, das sich über verschiedene Epochen und Traditionen erstreckt. Es hat seine Wurzeln in den (indo-)germanischen Wörtern „hailagaz“ und „kael“, was „vollständig“ oder „unversehrt“ bedeutet. „Heilig“ wird heute auch metaphorisch verwendet, um Dinge von herausragender Bedeutung oder außergewöhnlicher Wertschätzung zu beschreiben.

Daraus folgt: Was einem heilig ist, bestimmt man selbst. Es können ganz greifbare religiöse Figuren oder Symbole sein, genauso ist auch möglich, dass man Freundschaften, bestimmte Ruhezeiten oder seinen Garten als heilig bezeichnet.
Und deshalb kann der Feiertag Allerheiligen für uns alle eine Erinnerung daran sein, uns Zeit zu nehmen für die Personen und Dinge, die uns wichtig – ja, heilig – sind. Wir können innehalten, uns entschleunigen, Dankbarkeit fühlen, unsere Prioritäten überprüfen. Oder wir können einen Gottesdienst und den Friedhof besuchen und unserer Verstorbenen gedenken.

Christliche Feiertage sind immer ein Angebot. Ob und in welcher Form wir es annehmen, liegt an uns.


Wie verbringt ihr Feiertage? Welche Bedeutung haben sie für euch? Denkt ihr darüber nach, was da gefeiert wird oder genießt ihr – was ebenfalls völlig ok ist – einfach den freien Tag?

2024-10-31 Halloween

Interessiert schaut unser 92-jähriger Nachbar über den Gartenzaun hinüber auf die andere Straßenseite. Dort stehen meine drei Kinder. Der Neunjährige trägt einen schwarzen Umhang, hat ein weiß geschminktes Gesicht und behält mit etwas Mühe gerade so sein Vampirgebiss im Mund. Meine Sechsjährige hopst mit wehenden Fledermausflügeln in einem Kreis um ihren kleinen Bruder herum. Jakob ist zweieinhalb Jahre alt und steckt von Kopf bis Fuß in einem Dinosaurierkostüm. Alles andere war ihm zu unheimlich, aber er wollte dabei sein.

„Hallo, Wolfgang,“ grüße ich unseren Nachbarn.
„Ach, Britta, hallo! Jetzt hab ich die drei ja fast nicht erkannt! Ist denn schon Fasching?“ sagt er mit einem Augenzwinkern.
Empört erklärt meine Sechsjährige: „Neeeein, es ist doch Halloween!! Als was gehst du?“
„Wir feiern kein Halloween. Aber wir haben was Süßes für euch!“
Mit schokoladenverschmierten Mündern und zufriedenem Lächeln kommen die drei wieder aus dem Haus unserer Nachbarn heraus und laufen weiter die Straße hinunter. Vor dem nächsten Haus hängt ein Schild. „KLINGELN ZWECKLOS, HIER GIBT ES NICHTS.“
Mist, zu spät. Der Zweijährige interessiert sich wenig für Schilder. Er hat schon geklingelt. Wütend wird die Tür geöffnet. „Könnt ihr nicht lesen? Verschwindet mit eurem amerikanischen Mist!“
Der Neunjährige murmelt eine Entschuldigung und schiebt seine Geschwister schnell aus der Hofeinfahrt raus.

Das ist wirklich passiert, letztes Jahr an Halloween.
Es ist für mich jedes Jahr aufs Neue verblüffend, wie sehr selbst ein Fest wie Halloween die Gemüter erhitzen kann. Nein, auch ich käme von allein nicht darauf, Halloween zu feiern. Und auch heute dekoriere ich mein Haus nicht mit Geistern und Skeletten. Meine Kinder lieben Halloween allerdings. Ein weiteres Fest im Jahr, zu einer Jahreszeit, die oft recht trüb ist. Durch die Straßen ziehen, Freunde treffen, Gemeinschaft spüren, Spaß haben.

Versteht mich nicht falsch – ich finde es selbstverständlich absolut in Ordnung, wenn jemand diese in Deutschland noch recht neue Tradition nicht mitmachen möchte. Aber gleichzeitig denke ich, Halloween könnte eine Begegnungsmöglichkeit zwischen Alt und Jung sein. Eine Gelegenheit, in Kontakt zu treten und sich für die Feste der jungen Generation zu interessieren. Ihre Begeisterung zu spüren und sich vielleicht sogar ein bisschen mitreißen zu lassen. Wie lustig könnte es sein, beim nächsten Klingeln am Halloweenabend mal mit Bettlaken über dem Kopf die Tür zu öffnen und sich an den staunenden Kinderaugen zu erfreuen (zwei Augenlöcher helfen)?

Wir Eltern sollten mit unseren Kindern aber ebenfalls darüber sprechen, dass Halloween freiwillig ist und es vielleicht auch schönere Möglichkeiten gibt als „Süßes, sonst gibt’s Saures“ zu brüllen. Und es sollte akzeptiert werden, wenn da ein Schild an der Tür hängt, auf dem darum gebeten wird, nicht zu klingeln. Dieses Jahr werde ich versuchen, den jetzt dreijährigen Dinosaurier im Zaum zu halten, versprochen!

2024-10-10 Das Ding mit der Dankbarkeit (Teil 2)

Voller Dankbarkeit schlendere ich am Montag nach dem Erntedanksonntag durch die vollen Gänge des Supermarktes. Cashewmus. Mangos. 150 Sorten Käse. Laktosefreie Milch, Haferdrink, Reisdrink, Schokomilch. Süßwaren in Hülle und Fülle. Ich trete an die Fleischtheke. Auch hier: ein Angebot, das keine Wünsche offenlässt.

Mit leuchtenden Augen nimmt das kleine Mädchen vor mir eine Scheibe Lyoner entgegen und steckt sie sich umgehend in den Mund. „Wie sagt man?“, zischt ihr Vater ihr ins Ohr. Das Mädchen schaut und schweigt. Die Verkäuferin lächelt und winkt ab. „Schon gut“, sagt sie nachsichtig. Grimmig schiebt der Vater den Einkaufswagen weiter und belehrt seine Tochter. „Wenn man etwas bekommt, sagt man Danke. Das gehört sich so!“ Das Mädchen presst die Lippen aufeinander.

Gute Manieren sind uns wichtig. Bitte und Danke sagen gehört dazu, diese Worte gelten als Ausdruck von Respekt vor unserem Gegenüber. Machen Manieren dankbar? Das ist die Frage. Manieren können (!) als immer wiederkehrende Satzbausteine dazu führen, dass wir innehalten und dankbar sind. Jedenfalls in der Theorie. In der Praxis – so meine These – sind es Floskeln. Danke sagen macht nicht dankbar. Das kleine Mädchen hat sich gefreut über die Lyoner, definitiv. Der Versuch des erzwungenen Danks durch den Vater ist erstens gescheitert und hat zweitens sicher nicht dazu geführt, dass das Kind sich dankbar gefühlt hat.

„Das war ja lieb von der Verkäuferin, sie hat dir einfach eine Scheibe Wurst geschenkt!“ – Dieser Satz erzwingt keine Handlung seitens des Kindes, er regt aber zur Empathie an. Kinder darauf aufmerksam zu machen, wenn jemand ihnen etwas Gutes tut, führt zu Dankbarkeit. Gleichzeitig können wir vorleben, wie wir selbst uns Menschen gegenüber verhalten, die freundlich zu uns sind.
Dankbarkeit setzt Denken voraus. Reflexion. Erst durch die Wahrnehmung, dass jemand etwas für mich tut – unter Umständen bedingungslos -, kann ich dankbar werden. Freude allein reicht nicht, es braucht diese Metaebene, das Erleben, dass jemand mein Bedürfnis sieht oder mich überrascht, um mir eine Freude zu machen.

Auch als Erwachsene lohnt sich dieser Gedanke. Lasst uns Danke sagen, ja, aber lasst uns auch Danke fühlen! Dazu müssen wir rauskommen aus unserem Egozentrismus und den anderen sehen. Denn nur wer den anderen sieht, kann Dankbarkeit erfahren. 

Diese Gedanken sind entstanden in einem Gespräch zwischen Pfr. Christiane Weis-Fersterra, Pfr. Rolf Fersterra, Hans-Martin Souchon und Britta Blos. Wir danken noch einmal für den spannenden Vormittag!

Die Reflexion über Dankbarkeit ist die Voraussetzung für ihr Empfinden.

2024-10-06 Erntedankfest

Als ich 6 oder 8 Jahre alt war, war das Erntedank-Fest wichtig. Ich erinnere mich an eine Themenwoche im Kindergarten, an geschmückte Klassenzimmer, an gefüllte Kirchen. Meine Eltern haben mit mir einen Erntedank-Frühstückstisch gerichtet. Erntedank war präsent.
Zum Erntedankfest wurde die Vielfalt der landwirtschaftlichen Erträge in die Kirche gebracht und Gott für die reiche Ernte unsere Dankbarkeit zum Ausdruck gebracht. Im Anschluß wurden die Gaben an bedürftige Mitmenschen verteilt und somit erwuchs daraus aus der Dankbarkeit eine Freude am Geben, am Teilen.

Heute wird Erntedank weniger gefeiert. In den Familien wird selten darüber gesprochen, die Kirchen sind leerer. In den Schulen wird vielleicht noch in der einen Reli-Stunde am Dienstagmorgen ein Bild dazu gemalt. An den Fenstern hängen im Oktober eher gruselige Kürbisse und Geister. Halloween sticht Erntedank. Gib mir was, oder ich spiel Dir einen Streich wirkt eher fordernd als dankbar.

Diejenigen, die in meiner Kindheit Lehrkräfte, Erziehende, Eltern, Pfarrerinnen und Pfarrer waren, sind in einer Zeit aufgewachsen, in denen die Dinge knapper waren. Was knapp ist, ist nicht selbstverständlich. Was nicht selbstverständlich ist, schätzen wir wert. Ohne Wertschätzung keine Dankbarkeit – so schließt sich der Kreis.

Nun wäre es absurd, Dinge künstlich zu verknappen, um wieder dankbarer sein zu können.
Wir können aber zwei Dinge tun: Zum einen können wir diejenigen erzählen lassen, die Knappheit erfahren haben. Wir können uns auf den Gedanken einlassen, dass unsere gesättigten Grundbedürfnisse brandneu sind – gemessen an der Geschichte der Menschheit. Das macht dankbar. Zum anderen können wir den Fokus auf die Dinge lenken, die uns glücklich machen, die uns guttun. Zu überlegen, was uns Freude bereitet, ist eine fabelhafte Grundlage dafür, Dankbarkeit zu fühlen. Und oft können wir dabei feststellen, dass doch einige Bereiche in unserem Leben eigentlich recht gut laufen, auch wenn wir uns über eine Sache gerade ziemlich ärgern. Die Dankbarkeit über das, was gut ist, hilft uns, mit dem, was nicht so gut ist, zurechtzukommen. Dankbarkeit macht resilient.

Weshalb sich Dankbarkeit außerdem noch lohnt und was wir im Alltag ganz konkret tun können, damit wir und unsere Mitmenschen von ihr profitieren können, das besprechen wir in den nächsten Posts.


Diese Gedanken sind entstanden in einem Gespräch zwischen Pfr. Christiane Weis-Fersterra, Pfr. Rolf Fersterra, Hans-Martin Souchon und Britta Blos. Wir danken für den spannenden Vormittag!

Die Reflexion über Dankbarkeit ist die Voraussetzung für ihr Empfinden. Euch, liebe Leserinnen und Leser, laden wir deshalb ganz herzlich dazu ein, eure Gedanken zu unserem Post zu teilen.
Was macht euch dankbar? Empfindet ihr die Menschen um euch herum weniger dankbar als früher? Was bedeutet das Erntedankfest heute für euch? Weshalb ist Dankbarkeit in euren Augen wichtig?

2024 Das christliche Osterfest

Ostern, was ist das eigentlich?
Ich möchte Sie in den kommenden Tagen durch die Feiertage mit ein paar Erläuterungen und Gedanken hierzu begleiten. Frohe Ostern

Ostern – Das Fest der Auferstehung

„An Ostern feiern Christinnen und Christen die Auferstehung Jesu. Die Tage von Gründonnerstag bis Ostersonntag bilden den Höhepunkt des Kirchenjahrs. Wie kein anderes Fest führt das Osterfest in das innerste Geheimnis des Glaubens:
die Erlösung und die Neuschöpfung,
welche Gott in Jesus Christus vollbracht hat.“

So definiert Ostern die evangelische Kirche in Deutschland. Das ist unabhängig von den christlichen Konfessionen dieser Welt.

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