2024-09-05 Wertschöpfung

Sommerzeit ist Urlaubszeit! Das gilt auch für mich – deshalb habe ich vor einigen Wochen einen neuen Reisepass beantragt. Eigentlich kein großes Ding, sollte man meinen. Faktisch habe ich mit meinem Antrag einen Prozess ausgelöst, der es in sich hatte. Dass ich zwischendurch ein aktuelleres Passbild beim Fotografen machen sollte (meines war schließlich schon deutlich älter als vier Wochen), welches dieser dann ausdruckte und die Verwaltungsfachangestellte im Bürgerbüro wieder einscannte, ist nur eine der vielen Kuriositäten in meiner Odyssee zum neuen Reisepass.

Wertschöpfung ist alles das, wofür mein Kunde bereit ist, zu zahlen. Unternehmen wissen das. Sie können einpacken, wenn sie diesem Kerngedanken nicht Rechnung tragen. Wenn ich als Kunde einen neuen Staubsauger kaufen möchte, mit dem Preis-Leistungsverhältnis und dem Kundenservice meines letzten Gerätes aber unzufrieden war – nun, dann kaufe ich mir heute ein Gerät einer anderen Marke.

Für Verwaltungen hingegen scheint die Kundenorientierung, durch die Firmen ihre Existenz sicherstellen, nicht zu gelten – was ein Trugschluss ist. Auch Verwaltungen haben ein Produkt. Und wir Bürger zahlen für dieses Produkt mit unseren Steuern. Wenn die Mehrheit der Dinge, die mit meinen Steuergeldern bezahlt werden, nicht meinen Wünschen und Bedürfnissen entspricht, wird es schwierig. Die Unzufriedenheit wächst.

Das heißt nicht, dass die Mitarbeitenden dort sich nicht nach Kräften mühen, um uns Bürger zufrieden zu stellen. Ganz im Gegenteil, ich glaube, alle geben ihr Bestes. Anscheinend hindert irgendetwas. Und genau deswegen müssen auch dort neue Wege gegangen werden.
Auch als Verwaltung muss ich mich den folgenden Fragen stellen:
❓Ist das Produkt (bzw. meine Dienstleistung) noch das Richtige?
❓Wem nützt diese Dienstleistung? Wer profitiert von ihr?
❓Ist der Prozess praktikabel genug?
❓Vereinfacht der Vorgang das Leben meiner Bürger?
❓Und nicht zuletzt: Ist das Produkt seine Kosten (noch) wert?
ARBEITEN WIR WERTSCHÖPFEND?

Verwaltungen müssen sich genau wie Unternehmen in der produzierenden Industrie immer wieder neu erfinden, um in den Augen der Bürger ihre Existenzberechtigung zu behalten. Wertschöpfung findet nicht nur in den Fabriken statt. Sie ist unter uns. Auch in den Bürgerbüros in Deutschland.
Wir brauchen eine Awareness für dieses Thema – und zwar bei den Führungskräften in den Verwaltungen. Am besten gestern. Alles andere ist Missbrauch am Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger.
Gerne stehe ich hierbei zur Diskussion und für Anregungen zur Verfügung.

2024-06-13 Perfekte Lösungen

Perfekte Lösungen haben Charme.

Sie werden allen Anforderungen gerecht, sie sind zu 100% durchdacht, sie sind kostengünstig, wenig aufwändig und nachhaltig. Sie kommen locker-flockig daher und belasten nicht. Perfekte Lösungen fühlen sich einfach gut an.

Sie haben allerdings ein Problem:

Es gibt sie nicht.

Wann immer ein Coach oder Berater mit der perfekten Lösung wirbt, solltest du stutzig werden. Und mehr noch: Selbst die Formulierung „Wir liefern maßgeschneiderte Lösungen“ hat dort, wo es um persönliche Entwicklung geht, nichts zu suchen. Wäre es so einfach, von außerhalb eine Lösung für dein Thema zu finden, zu „liefern“, bräuchtest du wohl kaum ein Coaching.

Du bist individuell. Und deshalb ist dein Problem individuell. Das ist der Grund, weshalb nur eine Person deine Lösung finden kann – und zwar du selbst.

Was wir aber tun können, ist, dich dabei zu begleiten. Dir einen Raum für die Lösungsentwicklung bieten und dich mit Sparring und Tools so zu unterstützen, dass wir gemeinsam herausfinden, wo dein Weg lang geht. Denn du musst diesen Weg nicht allein gehen.

2024-06-04 Bring ihn doch einfach mit!

Bei meinem Einstellungsgespräch sprachen mein zukünftiger Chef und ich über meinen Hund. Ich erzählte ihm, dass mein Hund noch jung ist. Und dass er mir viel bedeutet. Und was ich so mit ihm mache in meiner Freizeit.
„Na dann bring ihn doch einfach mit zur Arbeit,“ war die prompte Antwort.
Für meinen Chef stand außer Frage, dass mein Hund mich zur Arbeit begleiten darf.

Mein Chef selbst hat keinen Hund. Er findet Hunde ganz nett, man kann sie auch mal kurz streicheln, aber hochspringen und abschlecken und der ganze Kram – das muss nicht sein. Mein Chef ist sicher auch kein Fan von Hundehaaren auf dem Büroteppich und Wassertropfen auf dem Büroküchenboden.
Weshalb also war für ihn sofort klar, dass mit mir gemeinsam ein schwarz-weißer Border Collie in sein Büro einfallen würde?
Weil er zugehört hat. Weil er gemerkt hat, dass mein Hund maßgeblich zu meinem Wohlbefinden beiträgt und ich es genieße, nicht die ganze Zeit den Druck zu haben, pünktlich zu Hause sein zu müssen. Weil er priorisiert hat, dass ich mich wohlfühle.

Bei mir ist es der Hund. Bei dir ist es vielleicht ein ergonomischer Schreibtischstuhl oder etwas andere Pausenzeiten zu haben als der Rest der Belegschaft. Vielleicht ist es das Entgegenkommen, erst um 9.30 Uhr anzufangen oder mittwochs von zu Hause zu arbeiten.
Der Punkt ist: Wir werden gesehen. Unser Befinden ist wichtig und wird ernst genommen. Uns wird zugehört. Und so macht genau diese Botschaft (und nicht der Hund an sich) mich dankbar und loyal. Jeden einzelnen Morgen, an dem ich meinen Hund aus dem Kofferraum hüpfen lasse und mit ihm die Treppen hoch zum Büro laufe. Weil ich mich dort akzeptiert fühle, so, wie ich bin und mit allem, was ich nun mal mitbringe.

(Britta Blos, Team SMC)

2024-05-24 Über die Angst, enttarnt zu werden                                                         

  • „Ihre Verkaufsstrategie: Von 0 auf 100 mit nur minimalen Kosten!“ *Terminbutton*
  • „Mit meiner Hilfe zu 150% Umsatzsteigerung in vier Wochen!“
  • „Wie ich in nur 34 Minuten mein Masterstudium absolviert habe und weshalb ich jetzt die Welt retten kann.“

Aber was, wenn jemand merkt, dass du das alles gar nicht kannst…?

Wenn man durch die Timeline bei LinkedIn scrollt, könnte man meinen, die Welt strotze nur so vor Kompetenz. So viele fähige Menschen – man fragt sich, wie es überhaupt noch Probleme geben kann.

Mein Leben lang habe ich mich immer wieder mal als Blender gefühlt. Als sei es nur eine Frage der Zeit, bis jemand merkt, dass ich eigentlich gar nicht so gut bin, wie alle denken. In der Grundschule hatte ich weniger Freunde als ich gerne gehabt hätte. Also habe ich vor meinen Eltern so getan, als hätte ich mehr. In der Mittelstufe hatte ich irgendwann mal einen guten Lauf im Fach Deutsch und schrieb zwei Einser am Stück. Fortan galt ich als Germanistik-Koryphäe – ein Status, den ich aufrechterhalten wollte und permanent Angst hatte, jemand könne merken, dass ich eigentlich nicht wirklich schreiben kann. Nach meinem Masterstudium bekam ich meinen ersten Job in einer Firma, in der man bisher wenig Erfahrung mit Hochschulabsolventen hatte. Mein Vorgesetzter hatte große Hoffnungen in mich, da ich ja studiert hatte. (Die Akademiker unter uns wissen, dass ein Studium sicher sehr bereichernd ist, einen aber oft nicht unmittelbar für einen bestimmten Job qualifiziert.) Ich stand also ständig (damals unbewusst) unter einem gewissen Erwartungsdruck und hatte so einige Albträume, in denen ich plötzlich splitterfasernackt vor vielen Menschen stand – enttarnt. Diese Dynamik kann im Extremfall dazu führen, dass man zum Job Hopper wird. Lieber rechtzeitig kündigen, bevor jemand merkt, dass ich ein Blender bin. Bevor ich demaskiert werde. Um jeden Preis den Gesichtsverlust vermeiden.

Weshalb ich darüber schreibe? Weil ich denke, dass sehr viele Menschen dieses Gefühl kennen, auch wenn niemand darüber spricht. „Ich bin gar nicht so gut, wie alle denken – wenn die nur wüssten…“ – der Gedanke macht Bauchschmerzen. Und er macht einsam.

Das Wissen darum, dass das ein menschliches und sehr verbreitetes Phänomen ist, ist auch als Führungskraft wichtig. Die eine Mitarbeiterin leistet nicht zwangsläufig schlechtere Arbeit als die andere, nur weil sie offen über ihre Defizite spricht. Wir sollten unser Team dabei supporten, sich zu öffnen und Raum dafür geben, Zweifel zu äußern. Unser Job ist es, ein Klima zu schaffen, in dem angstfrei kommuniziert werden darf, dass man sich etwas gerade nicht zutraut. Ohne Furcht vor Konsequenzen.

Lasst uns alle eine Spur ehrlicher sein. Zugeben, wenn wir etwas (noch) nicht können. Einräumen, wenn uns etwas Angst macht. Sagen, wenn wir uns gerade mutlos fühlen. Denn mit jedem Menschen, der sich selbst fehlbar zeigt, wird es für den nächsten leichter, dasselbe zu tun. Damit rückt sich allmählich das Bild zurecht.
Und das Schöne ist: Wo Schwächen sein dürfen, da können wir Stärken ganz anders zelebrieren.
Unaufgeregt und unaufgeblasen.

(Britta Blos, Team SCM)

2024-05-16 Altersheterogene Teams

Eine meiner liebsten Kolleginnen im letzten Jahrzehnt war Gisela. Gisela war in meiner ersten Firma als Buchhalterin beschäftigt. Wir saßen im gleichen Büro. Ich kam frisch vom Studium und war hochmotiviert.

Ich konnte so einiges besser als Gisela.

  • Computerdinge. 
  • Handydinge.
  • Sportliche Dinge.
  • Flexible Dinge.
  • Schnelle Dinge.
  • Englische Dinge.

Was ich nicht konnte?

Meinem Chef sagen, dass ich schon neun Stunden im Büro war und deshalb nicht mehr abends um 18 Uhr Sache XY fertigstellen konnte, auch wenn die Welt davon abhing.

Gisela wusste Bescheid von Dingen, von denen ich nicht mal wusste, dass sie ein Thema sein würden.

Gisela ließ sich nicht unterbrechen. Nicht vom Kollegen, nicht vom Chef. Sie beendete ihre Sätze.

Gisela wusste, welche Person man auf welche Art anspricht, wenn die Kaffeemaschine kaputt ist.

Gisela sagte Sätze wie „Jetzt mal langsam. Das Problem rennt uns nicht weg.“

Gisela war stur. Was sie sich in den Kopf gesetzt hatte, war erstens richtig und das zweitens für immer. 

Gisela wusste, dass morgen auch noch ein Tag ist. Und danach noch einer. Und dass es eine ganze Reihe Berufsjahre waren, die ich noch vor mir hatte.

Gisela scherte sich nicht im Geringsten darum, was andere von ihr hielten. Wichtig waren ihr ergonomischer Schreibtischstuhl und ihre Tomaten im Gewächshaus.

Gisela war mein Regulativ und ich weiß nicht, was ich in den ersten Berufsjahren ohne sie gemacht hätte.❤️

Nicht zuletzt ihretwegen weiß ich um den Wert heterogener Teams. Es ist immer von Vorteil, sich mit Menschen zu umgeben, die anders sind als man selbst. Menschen anderen Geschlechts. Einer anderen Identität. Eines anderen ethnischen Hintergrundes. Und eben auch einer anderen Generation. Nicht fordert uns mehr heraus und nichts schenkt uns einen größeren Mehrwert als Menschen, die anders sind als wir selbst.

So, und nur so, funktioniert persönliche Weiterentwicklung.

In die Kommentare: Kleiner Einblick in unsere Zusammenarbeit und Konfliktpotenzial, das wir bewusst in Kauf nehmen, auch wenn es manchmal heißt, dass man sich annervt und bestimmte Prozesse länger dauern.

(Britta Blos, Team SCM)

2024-05-09 Ein Hoch auf die 50-Jährigen

Maßnahmen, um dem Fachkräftemangel zu begegnen, gibt es viele. Die meisten dieser Maßnahmen haben eins gemein: Es sind Rekrutierungsinstrumente. Sie dienen dazu, neue Mitarbeitende anzuwerben. Über eine ganz einfache Maßnahme wird aber in meinen Augen zu wenig gesprochen: Leute behalten, von denen man glaubt, sie ersetzen zu können.

Die nächsten Jahre und Jahrzehnte werden teamtechnisch eine tendenziell instabile Zeit. Wo viele gehen und Neue kommen, brechen langjährig entwickelte Strukturen auf. Teams, Abteilungen, ganze Unternehmen finden sich neu. Natürlich kann das auch eine Chance sein, aber vor allem ist es eine große Herausforderung, weil wir der damit einhergehenden Instabilität irgendwie begegnen müssen. Es sollte unser Anspruch sein, technisches Know-how in der Firma zu behalten und nicht mit ausscheiden zu lassen.
Und es geht um noch mehr. Um die sozialen Strukturen der Firma. Um Identifikation. Um ein Gespür für den Markt. Um Kontakte. Um ein gewisses Selbstvertrauen.

Ich beobachte aktuell irritiert Großkonzerne, die munter Köpfe in den Führungsetagen rollen lassen und ganze Teams austauschen, weil sie mit den Einzelpersonen unzufrieden sind. Irritiert bin ich deshalb, weil der Zeitpunkt für eine solche Art der Unternehmensführung vollkommen absurd ist. Diese mehr oder weniger strategischen Entscheidungen sind fatal und leichtsinnig. Stück für Stück verwandelt sich eine Firma in ein seelenloses Gerüst. Am Ende ist keine der dort arbeitenden Personen mehr wahrhaftig loyal gegenüber seiner Führungskraft oder dem Unternehmen. Wie auch – erlebt man doch Tag für Tag, wie Kolleginnen und Kollegen wie am Fließband ausgetauscht werden.

Es lohnt sich heute mehr denn je, zwischenmenschliche Probleme anders anzugehen als durch Trennung. Wir begehen sonst einen großen Fehler hinsichtlich der Arbeitskräfteknappheit. 

Denn wer kann den Laden in dieser anspruchsvollen Zeit zusammenhalten?
Die plakative Antwort: 50-Jährige.Gerade unsere „um die 50“-jährigen Mitarbeiter*innen wissen, wie es läuft. Sie sind (oft) lange dabei, kennen den Markt, die Firma, sich selbst. Sie haben noch viele Berufsjahre vor, aber auch schon viele hinter sich. Sie sind die, die uns Stabilität geben können, wenn die Generation der Babyboomer uns nach und nach verlässt. Und deshalb sollten wir uns nicht von ihnen trennen – ganz im Gegenteil. Wir sollten mit ihnen in den Dialog treten. Sie wichtig nehmen. Sie um ihre Einschätzung zu Themen bitten. Sie an Prozessen und Entscheidungen beteiligen, an denen sie bisher vielleicht nicht beteiligt waren. Wir werden sie brauchen. Und wir sollten JETZT damit anfangen, uns gemeinsam darauf vorzubereiten.

2024-05-02 „Sie haben 786 ungelesene E-Mails.“

Wir kennen ihn alle: Diesen Moment, in dem wir nach zwei Wochen Urlaub unseren Rechner hochfahren, das E-Mail-Programm öffnen (oft schon mit einem flauen Gefühl) und dann die Zahl ungelesener E-Mails auf uns wirken lassen. Aber nicht nur nach dem Urlaub leiden viele Menschen an der Flut an andauernd eintreffenden Nachrichten, Informationen zu Projekten, Statistiken (die man sich bitte täglich ansehen soll), Abstimmungen mit Kolleg*innen, Newslettern und Angeboten.

Wir haben einen kleinen Leitfaden zusammengestellt, der dabei helfen kann, eingehende E-Mails zu reduzieren bzw. effizienter zu verwalten.

  • Checke morgens NICHT deine Mails, bevor du nicht mindestens im Bad warst, idealerweise sogar erst dann, wenn du am Schreibtisch bist. Aber lass es definitiv nicht die erste Amtshandlung morgens im Bett sein.
  • Schau auch tagsüber nicht immer wieder in die Mails, sondern nimm dir zwei bis drei Zeitpunkte an deinem Arbeitstag, an denen du dich darauf konzentrierst. Dann widme dich wieder anderen Themen. Stelle die Push-Funktion auf Desktop und Handy aus, so dass du nicht ständig von neu eintreffenden E-Mails abgelenkt wirst.
  • Nutze Postfach-Ordner, um deine Mails vorzusortieren. So behältst du den Überblick und kannst schneller in Wichtig-Unwichtig-Dringend-Nicht dringend unterscheiden. Entscheide idealerweise beim ersten Öffnen, ob du das Thema delegieren kannst (dann gib es sofort weiter) oder ob du dich selbst darum kümmern willst.
  • Bestelle Newsletter konsequent ab, die du nicht wirklich regelmäßig und interessiert liest.
  • Vermeide CC – Du musst nicht alles wissen.
  • Lass dir Informationen, die du nur einmal pro Woche benötigst, nach Möglichkeit gebündelt zukommen statt täglich.
  • Nutze vor allem für größere Projekte mit mehreren beteiligten Personen zum allgemeinen Informationsaustausch Cloud- bzw. Intranetlösungen, anstatt über E-Mails mit riesigen Verteilern zu kommunizieren.
  • Wenn du selbst ein Anliegen hast: Mach doch hin und wieder einen Weg zu Fuß und besprich es einfach persönlich. Die Bewegung tut dir gut, du siehst andere Menschen und du dein Thema geht nicht zwischen den 137 anderen Mails verloren, die der Empfänger heute noch erhalten wird. Auch der Griff zum Telefonhörer hat sich bewährt – gerade, wenn es zum Beispiel um Terminabstimmungen geht.
  • Im Urlaub und bei Krankheit: Nutze die gegenseitige Mail-Weiterleitung an Kolleg*innen bei allen Themen, bei denen es irgendwie möglich ist. Geht das aus irgendwelchen Gründen nicht, frag auch deine*n Vorgesetzte*n. Gerade dort sollte das Interesse groß sein, dass du erholt zurückkommst.
  • Versuch es mal mit einem ehrlichen: „Für dieses Thema habe ich aktuell keine Zeit/Motivation/Muße, bitte versuchen Sie es in 100 Jahren nochmal oder wenden Sie sich an Person X.“ Es ist ok, Themen abzulehnen. Es ist dein Fokus. Es ist deine Zeit.

Welche Strategien helfen euch am besten? Habt ihr weitere Ideen, die wir hier nicht aufgeführt haben?

2024-04-18 Nicht nur Führen will gelernt sein…

…auch sich führen lassen!

Mentoring- und Traineeprogramme für die, die in Personalverantwortung kommen könnten. Ja. Seminare für angehende Führungskräfte. Richtig und wichtig.

Aber nur eine Seite der Medaille. 

Ca. 5% aller berufstätiger Menschen in Deutschland haben eine Führungs- bzw. Aufsichtsposition (Quelle: Statistik.arbeitsagentur.de). Andersrum bedeutet das, das 95% der Menschen NICHT führen, sondern geführt werden.

Nur, wie lernt man das – sich führen lassen?

Als Kind erfahren wir Führung. Eltern, Erzieher, Lehrerinnen, sie leiten uns, reflektieren mit uns und unterstützen uns bei unserer persönlichen Entwicklung (idealerweise). Es folgt die Pubertät und damit oft eine starke Abgrenzung, Loslösung und ein Infragestellen von Autoritäten. Dieser Prozess hat einen Sinn und ist natürlich.

Unterschreibt ein junger Mensch dann seinen ersten Arbeitsvertrag, kommt er in eine komplexe Situation.

Er möchte Geld verdienen. Zeitgleich zieht er vielleicht zu Hause aus oder nach einem Studium in eine erste Wohnung, raus aus der Studenten-WG. Er hat Lust, zu lernen. Und er will sich selbstverständlich beweisen. Zeigen, was er draufhat.

Er trifft sein Team. Und seine Vorgesetzten. Auch Menschen. Der Mensch muss sich einfügen, seinen Platz finden. Und lernen, so viel lernen! Die praktischen Details des Jobs natürlich, aber das ist noch das Geringste. Er muss auch lernen, wie man im richtigen Moment für seine Meinung einstehen kann. Wie man zu Fehlern steht. Wie man seine Werte im Großkonzern nicht aus den Augen verliert und sich treu bleibt. Und wie man vertraut. 

„Der/die lässt sich gut führen“ wird in den Köpfen gerne gleichgesetzt mit „… hat keine eigene Meinung“, „Mit dem kann man’s machen…“ 

Das Gegenteil ist der Fall.

Sich führen zu lassen, bedeutet, Verantwortung zu übernehmen. Seine Aufgabe und Position im Team für sich differenziert klar zu haben, sich selbst zu führen und im richtigen Moment diese Führung abgeben zu können. 

Das ist eine große Aufgabe, die überall unterschätzt wird und für die fähige Mitarbeitende oft viel zu wenig Wertschätzung erhalten.  Führende und zu Führende gleichermaßen und nachhaltig zu entwickeln ist herausfordernd, aber für das gegenseitige Verständnis und Vertrauen so wichtig.

cw16 RACI was?

RACI was? … auf LinkedIn veöffentlicht


Liebe Kunden, liebe Kollegen Berater schaut mich nicht so an, als wenn ihr alles sofort parat habt!
Kurz nachgefragt und dann gegrübelt warum ich das Dingens nicht im Portfolio habe.
….
Puuuh es ist eine Verantwortlichkeiten-Matrix die letztlich eine Ableitung n-ten Grades aus AKV ist.
Aufgaben – Kompetenzen – Verantwortlichkeiten.
….
Jetzt ist mir auch klar, warum ich die nicht im Portfolio habe.
Ich glaube nämlich, daß Verantwortung nicht delegierbar ist!
Nicht ohne Kompetenzen und Sanktionierung.
👉 AKV ist übergreifend, deswegen bevorzuge ich diese und
👉 arbeite mit Kommunikationsprinzipien.

🧐Information ist eine Holschuld ( ihr wisst … Unwissenheit …)
ABER
✅ Risiko und/oder Gefahr im Verzug sind eine Bringschuld.
Fertig.

Ich weiß, ich bin da einfach strukturiert, aber nach 80:20 spart diese Herangehensweise viel Zeit und Energie!

2024/04/11 Deine Zeit zählt

Ein Auto hupt, ich erschrecke mich und drehe mich um. Das Auto fährt den Bordstein hoch und hält neben mir an. Das Fenster geht runter. Es ist Klaus. Von Klaus weiß ich nicht viel, außer dass er Architekt ist und in den nächsten Jahren in Rente geht. Und eine Hündin hat, die mein Hund sehr schätzt. Wir wohnen in derselben Straße und gehen seit einiger Zeit manchmal zusammen spazieren, wenn wir uns zufällig treffen.

„Wie schön, dich zu sehen! Du warst ja wie vom Erdboden verschluckt. Wie geht es dir?“ frage ich.

Klaus steigt aus und kommt ein bisschen näher. „Nicht so gut, um ehrlich zu sein. Ich hatte vor zwei Monaten eine Lungenembolie.“

In den nächsten Minuten erzählt mir Klaus die Geschichte. Er erzählt von dem komischen Gefühl im Bauch an diesem einen Dienstagabend. Und von dem Gefühl, ein bisschen schlechter Luft zu bekommen. Nicht gravierend, aber doch beängstigend.

Klaus hat die richtige Entscheidung getroffen und ist in die Notaufnahme gefahren. Dann ging alles ganz schnell.

Klaus lebt. Er steht hier vor mir. Das Lächeln etwas weniger breit und ein bisschen blass um die Nasenspitze. Es war eine knappe Geschichte, erzählt er. Er könnte genauso gut tot sein. Aber er lebt.

„Was mich verrückt macht, ist die Angst. Körperlich geht’s mir wieder ganz gut so weit, aber beim kleinsten Pieksen irgendwo in der Brust werde ich wahnsinnig.“ sagt er leise. „Ich hatte in letzter Zeit so viele Reisepläne für die Rente gemacht. Wenn man dann so was erlebt, fragt man sich, ob sich das Planen überhaupt lohnt.“

Dann wird er nachdenklich. „Ich habe mich so oft in meinem Leben über eigentlich völlig belanglosen Kram geärgert. Was für eine Verschwendung von Lebenszeit. Es kann morgen vorbei sein. Es kann heute Abend vorbei sein. Es kann in zwei Minuten vorbei sein!“

Wir reden noch ein bisschen weiter und verabschieden uns dann. Langsam laufe ich mit meinem Hund die letzten Schritte nach Hause.

Ja, es stimmt. Wir haben nur dieses eine Leben. Niemand kann uns sagen, wie lange es noch andauernd wird. Unsere Zeit ist kostbar. Diese Kostbarkeit wird uns umso bewusster, je mehr wir den Fakt an uns heranlassen, dass unser Leben endlich ist. Eines Tages sind wir nicht mehr hier auf dieser Welt. In unseren letzten Minuten zählt vielleicht mehr denn je, wie wir dieses Leben gefüllt haben. Es sind die Begegnungen, die wir hatten. Die Gefühle, die wir gefühlt haben und die, die wir hinterlassen. In den Erinnerungen unserer Mitmenschen leben wir weiter. So können wir über unseren Tod hinaus positiv wirken.

Wenn man Menschen auf dem Sterbebett fragt, was sie bereuen, antwortet keiner: „Ich wünschte, ich hätte mehr gearbeitet. Ich wünschte, ich hätte ein größeres Haus gekauft. Ich bereue es, so viel Zeit damit verschwendet zu haben, meinen Kindern jeden Abend vorzulesen.“

Nein, sie antworten: „Ich hätte mir mehr Zeit für die Menschen nehmen sollen, die mir etwas bedeuten.“

Nutze deine Tage. Deine Stunden. Deine Sekunden. Sie sind wertvoll. Und du bist es auch. Am meisten für die Menschen, die dich lieben. Deshalb mach ihnen das größte Geschenk, das du zu geben hast: Deine Zeit. 

[Eventuelle Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind NICHT zufällig. 

Klaus (der eigentlich anders heißt), wenn du das liest: Ich danke dir von Herzen für unser Gespräch, das mich sehr bewegt hat. Schön, dass es dich gibt.]