2025-01-30 Erfolg-Motivation-Disziplin

In der Welt der beruflichen und auch persönlichen Entwicklung hören wir oft von der Bedeutung der Motivation oder der Notwendigkeit von Disziplin. Doch selten wird darüber gesprochen, wie diese beiden Kräfte zusammenwirken und sich gegenseitig verstärken. Lassen Sie uns einen tieferen Blick auf diesen Zusammenhang werfen.

⚡️Der Funke der Motivation
Motivation ist der Funke, der uns in Bewegung setzt. Sie ist die innere Kraft, die uns dazu bringt, neue Projekte anzugehen, Ziele zu setzen und Träume zu verfolgen. Ohne diesen initialen Impuls würden viele großartige Ideen nie das Licht der Welt erblicken. Doch wie oft haben wir erlebt, dass die anfängliche Begeisterung nachlässt? Hier kommt die Disziplin ins Spiel.

💪Die Kraft der Disziplin
Disziplin ist das Rückgrat unseres Handelns. Sie definiert die Fähigkeit, auch dann weiterzumachen, wenn die erste Euphorie verflogen ist. Disziplin befähigt uns dazu, täglich kleine Schritte zu machen, auch wenn wir gerade keine Lust haben oder Zweifel aufkommen.

🔄Der Kreislauf des Erfolgs
Hier offenbart sich der wahre Zusammenhang: Motivation bringt uns zum Start, Disziplin hält uns auf Kurs. Und dann geschieht etwas Bemerkenswertes: Durch die konsequente Arbeit, die aus der Disziplin erwächst, stellen sich erste Erfolge ein. Diese Erfolge, seien sie noch so klein, nähren wiederum unsere Motivation. Es entsteht ein sich selbst verstärkender Kreislauf:

1️⃣Motivation initiiert das Handeln
2️⃣Disziplin hält das Handeln aufrecht
3️⃣Erfolge entstehen durch konsequentes Handeln
4️⃣Diese Erfolge befeuern wiederum unsere Motivation

Verstehen wir diesen Zusammenhang, eröffnen sich neue Perspektiven auf unseren Weg zum Erfolg. Es geht nicht darum, ständig hochmotiviert zu sein oder sich durch eiserne Disziplin zu quälen. Vielmehr geht es um das Bewusstsein für diesen dynamischen Prozess. Indem wir lernen, beide Kräfte zu nutzen und zu pflegen, schaffen wir die Grundlage für Erfolg und persönliches Wachstum.


🤍 Welche Erfahrungen habt ihr mit Motivation und Disziplin gemacht? Wann fällt es euch leicht, euch zu disziplinieren, und wann fällt es euch schwerer?

2025-01-23 Werte und Selbstachtung

Samstagvormittag auf dem Kinderspielplatz.
„Marie, heb bitte das Papier vom Boden auf und mach es in den Mülleimer! Wir lassen unseren Müll nicht liegen. Was, wenn das jeder tun würde?“

„Nina, du darfst dem Cem nicht die Schaufel auf den Kopf hauen. Das tut ihm weh. Sag ihm mit Worten, was du möchtest!“

„Leon, mach doch ein bisschen Platz auf der Bank, damit Oma sich setzen kann.“

Anstand, Manieren, gutes Benehmen – Dinge, die vielen Menschen zu Recht wichtig sind und die sie deshalb auch ihren Kindern vermitteln. Dem zugrunde liegt ein Werteverständnis: Wie wollen wir gemeinsam leben? Welche moralischen Pflichten habe ich? Wo enden meine Rechte, wo beginnen die meines Gegenübers?

Dass eine gewisse Werteorientierung für eine Gesellschaft von großer Wichtigkeit ist, steht außer Frage. Anstand, Manieren und gutes Benehmen zeigen sich als logische Konsequenz unserer Werte nach außen. Werte tragen uns in der Gemeinschaft mit anderen Menschen.

Die Einhaltung unserer Werte hat aber noch einen anderen, nicht zu unterschätzenden Einfluss.
Wenn ich zwar von mir sage „Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit sind mir total wichtig“, das aber personenabhängig nicht immer einhalte, dann verrate ich meine eigenen Werte. Natürlich schadet das zunächst mal meiner Beziehung zu anderen Menschen, ich verliere ihr Vertrauen. Aber es richtet noch einen anderen, nicht minder großen Schaden an:

Wenn ich mich selbst immer wieder dabei beobachte, wie ich nicht wertekongruent handle, dann sinkt letztlich meine Selbstachtung. Denn wie soll ich mich selbst respektieren und wertschätzen, wenn ich nicht integer bin? Wenn mein Denken, mein Sagen und mein Tun nicht zusammenpassen?
Meine Umwelt verdient es, meinem Wort Glauben schenken zu können. Aber ich verdiene es auch selbst. Und ich ruiniere sukzessive mein Selbstbild, wenn ich mir dieses Geschenk verwehre.

2025-01-16 Klappts nicht mit den Vorsätzen?

Letzte Woche haben wir im Zusammenhang mit guten Vorsätzen die SMART-Methode angesprochen. Nun sind wir alle nur Menschen und trotz umfassender, sorgsamer, strategischer Planung scheitern wir doch häufig an unseren (selbstgestellten) Vorhaben.
Wir bringen unsere Vorsätze nicht in eine Routine. Oftmaliges Wiederholen bildet eine Routine, ein eingeübtes Verhalten. Routine bildet das Fundament für Nachhaltigkeit. Nachhaltigkeit ist eine gute Basis für die erfolgreiche Umsetzung von Vorsätzen!

🙏Ein Aspekt, den wir letzte Woche noch nicht angesprochen haben, ist die mangelnde Motivation. Oft geschieht eine bestimmte Zielsetzung aus einem inneren Druck oder gesellschaftlichen Erwartungen heraus, anstatt aus echter Begeisterung für die Umsetzung. Wenn das Warum nicht klar definiert ist, fehlt die Motivation, die nötig ist, um die gesteckten Ziele auch tatsächlich zu verfolgen. Es ist hilfreich, sich regelmäßig bewusst zu machen, wieso die Veränderung gewünscht ist und welchen Nutzen sie mir bringt.

➡️Zusätzlich kann das Fehlen von konkreten Handlungen und Strategien zur Umsetzung der Vorsätze ein Hindernis darstellen. Ein Plan, der die Schritte aufzeigt, die zur Zielerreichung führen, ist unerlässlich. Dies sollten wir auch beim Einsatz von SMART bedenken. Das Aufteilen von großen Zielen in kleinere, überschaubare Aufgaben macht diese greifbarer und weniger überwältigend – steigern können wir uns immer noch! Auf diese Weise überlisten wir uns ein bisschen selbst. 🙂

👬Relevant ist auch der Einfluss von Umfeld und Unterstützungsnetzwerken. Oftmals fühlen sich Menschen, die ihre Vorsätze alleine verfolgen, schneller entmutigt. Ein unterstützendes Umfeld kann den Unterschied ausmachen. Der Austausch mit Gleichgesinnten, sei es im Freundeskreis oder in professionellen Netzwerken, fördert die Motivation und das Durchhaltevermögen.


Was hat euch in der Vergangenheit dabei geholfen, eure Vorsätze einzuhalten und eure Ziele zu erreichen?

2025-01-09 Gute Vorsätze – aber SMART

Der eine belächelt sie nur müde, für den anderen sind sie fester Bestandteil eines jeden Jahreswechsels: die guten Vorsätze. Ob es sich um die Verbesserung der Fitness, das Erlernen einer neuen Sprache oder die berufliche Weiterentwicklung handelt – viele Menschen nehmen sich vor, ihr Leben zu verändern. Doch wie oft bleiben diese Vorhaben unvollendet oder werden nach wenigen Wochen wieder aufgegeben?

Ein Grund für das Scheitern von guten Vorsätzen liegt oft in der fehlenden Realisierbarkeit. Zu ambitionierte Ziele, die über einen kurzen Zeitraum hinweg nicht zu erreichen sind, führen schnell zu Frustration. Zieldefinition und -formulierung gehören zu den wichtigsten Bausteinen, wenn es darum geht, eine Veränderung herbei zu führen.

Die bekannte SMART-Methode (spezifisch, messbar, attraktiv, realisierbar, terminiert) kann hierbei als hilfreiches Werkzeug dienen.

💡Spezifisch:
Viele Vorsätze lauten zum Beispiel: „Ich möchte fitter werden.“
Ein spezifisches (und damit viel wahrscheinlicher erfüllbares) Ziel ist so formuliert: „Ich möchte dreimal pro Woche ins Fitnessstudio gehen.“

💡Messbar:
Messbar ist dieses Ziel auch direkt, weil wir die drei Trainingseinheiten im Terminkalender eintragen und damit monatlich überprüfen können, ob wir noch gut dabei sind.

💡Attraktiv:
Ein attraktives Ziel ist eines, das uns motiviert, es zu erreichen. Wenn ich nur fitter werden möchte, weil mein Arzt meint, dass das für meinen Blutdruck gut wäre, ist das viel weniger attraktiv als wenn ich mir von mehr Fitness direkte Auswirkungen auf mein Leben erhoffe. Wenn mir klar ist, dass mein fitteres Ich Ende 2025 locker drei Stunden wandern gehen oder mit den Kindern (ohne ständige Verschnaufpausen) im Garten toben kann, dann zieht das mehr.

💡Realisierbar:
Und das bringt uns auch direkt zum nächsten Punkt: War ich bisher ein Bewegungsmuffel und kämpfe mit 20 kg Übergewicht, dann ist der Boston Marathon im nächsten Jahr evtl. ein zu hoch gestecktes Ziel. Realisierbare Ziele machen Spaß und motivieren zum Dranbleiben.

💡Terminiert:
Zu guter Letzt: Ein gut formuliertes Ziel ist terminiert. Ein klarer Zeitrahmen hilft, den Fortschritt zu überwachen, den Fokus zu behalten und motiviert zu bleiben. Kleine Schritte mit kurzen Terminen.

Und immer im Kopf behalten: Die Umsetzung von guten Vorsätzen ist kein einmaliges Event, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Rückschläge gehören dazu, aber sie sollten nicht entmutigen. Vielmehr können sie als Lernchancen betrachtet werden, um sich selbst besser zu verstehen und die eigenen Ziele gegebenenfalls neu zu formulieren. Dann ist dieser 1. Januar auch gar nicht mehr so wichtig. Veränderung findet ständig statt! Was wir wirklich ändern wollen (!), das muss nicht bis Silvester warten.

Habt ihr Vorsätze?
Wie geht ihr generell mit selbstgesteckten Zielen um – formuliert ihr sie sauber aus oder schweben sie eher im Hintergrund mit?

2024-11-21 Was ist wichtig?

Ein neuer Fernseher.
Zwei Wochen Urlaub mit der Familie.
Der Porsche.
Weihnachtsbacken.
Ein Waldspaziergang.
Ein guter Tropfen Wein.

Ich habe hier Dinge aufgelistet, die viele Menschen mögen und die vielen Menschen wichtig sind. Vielleicht überkommt dich ein wohliges Gefühl bei einem dieser Punkte, während andere dich relativ kalt lassen oder du sie sogar mit Befremden gelesen hast.
Manche Dinge haben einen Wert für dich, sind wertvoll. Andere nicht.

Aber woher weißt du eigentlich, was wertvoll für dich ist? Wie entscheidest du, wofür du Geld ausgibst oder welchen Dingen du kostbare Zeit widmest?

Fragen kannst du niemanden, denn:
Niemand außer dir selbst kann darüber urteilen, ob das, was dir wichtig ist, wertvoll ist. Was für dich einen Wert hat, ist letztlich also frei von Bewertung von außen. Nur du selbst hast die Verantwortung, deinen Dingen einen Wert zuzuschreiben. Das passiert oft ganz automatisch. Manchmal aber glauben wir auch nur, dass uns Dinge wertvoll sind. Sei es aus Routine oder weil wir eben doch Fremdbewertungen mehr trauen als uns selbst.

Genau das macht es so sinnvoll, ab und an innezuhalten und abzugleichen, ob ich hier noch „auf Kurs“ bin.
Welches Bedürfnis erfülle ich mir mit einer Sache? Hat das, wofür ich Zeit oder Geld einsetze, einen Wert für mich? Gibt es Dinge, die mir eigentlich wichtiger sind?

Die Antworten auf diese Fragen sind wertvolle Wegweiser, denen ich vertrauen sollte.

2024-11-07 Es geht nicht weil

Eine Haushaltshilfe engagieren?
Das geht nicht, weil ich sowieso niemanden finde, der das genauso gut macht wie ich.

Regional und saisonal einkaufen?
Das geht nicht, weil das viel zu teuer ist!

Weniger arbeiten?
Das geht nicht, weil das sonst nicht klappt mit dem nächsten Karriereschritt.

Den Rasen einfach erst nächste Woche mähen?
Das geht nicht – weil … ja was sollen denn die Nachbarn denken??

Die Stelle mit zwei Teilzeitkräften besetzen?
Das geht nicht, weil das immer eine Stelle für eine Vollzeitkraft war!

Einmal pro Woche mit meinem Partner ausgehen?
Das geht nicht, weil wir sowieso keinen Babysitter finden.

Das Geschenk für die Schwiegermutter vom Partner aussuchen lassen?
Das geht nicht, weil der das sowieso falsch macht.

Den Elternabend sausen lassen, nur weil man krank ist?
Das geht nicht, weil die Lehrkräfte sonst denken, wir seien eine asoziale und desinteressierte Familie.

Die Weihnachtskarten dieses Jahr einfach weglassen?
Das geht nicht, weil mein Umsatz 2025 sonst hundertprozentig einbricht.

Ganz schön viel geht nicht. Aber für ganz schön viele „Geht-nicht“s lassen sich „Geht-ja-doch“s finden, wenn wir einen Moment lang weiterdenken. Ein bisschen Lösungsorientierung zulassen. Und kurz hinterfragen, was unser tatsächliches Problem ist.
Drehen wir die Aussage also einfach mal um, wenn uns eins der Dinge da oben wichtig ist.
Es geht nicht weil…. – dreht sich dann um in – Was muss ich tun damit…
Probiert es aus!

2024-10-10 Das Ding mit der Dankbarkeit (Teil 2)

Voller Dankbarkeit schlendere ich am Montag nach dem Erntedanksonntag durch die vollen Gänge des Supermarktes. Cashewmus. Mangos. 150 Sorten Käse. Laktosefreie Milch, Haferdrink, Reisdrink, Schokomilch. Süßwaren in Hülle und Fülle. Ich trete an die Fleischtheke. Auch hier: ein Angebot, das keine Wünsche offenlässt.

Mit leuchtenden Augen nimmt das kleine Mädchen vor mir eine Scheibe Lyoner entgegen und steckt sie sich umgehend in den Mund. „Wie sagt man?“, zischt ihr Vater ihr ins Ohr. Das Mädchen schaut und schweigt. Die Verkäuferin lächelt und winkt ab. „Schon gut“, sagt sie nachsichtig. Grimmig schiebt der Vater den Einkaufswagen weiter und belehrt seine Tochter. „Wenn man etwas bekommt, sagt man Danke. Das gehört sich so!“ Das Mädchen presst die Lippen aufeinander.

Gute Manieren sind uns wichtig. Bitte und Danke sagen gehört dazu, diese Worte gelten als Ausdruck von Respekt vor unserem Gegenüber. Machen Manieren dankbar? Das ist die Frage. Manieren können (!) als immer wiederkehrende Satzbausteine dazu führen, dass wir innehalten und dankbar sind. Jedenfalls in der Theorie. In der Praxis – so meine These – sind es Floskeln. Danke sagen macht nicht dankbar. Das kleine Mädchen hat sich gefreut über die Lyoner, definitiv. Der Versuch des erzwungenen Danks durch den Vater ist erstens gescheitert und hat zweitens sicher nicht dazu geführt, dass das Kind sich dankbar gefühlt hat.

„Das war ja lieb von der Verkäuferin, sie hat dir einfach eine Scheibe Wurst geschenkt!“ – Dieser Satz erzwingt keine Handlung seitens des Kindes, er regt aber zur Empathie an. Kinder darauf aufmerksam zu machen, wenn jemand ihnen etwas Gutes tut, führt zu Dankbarkeit. Gleichzeitig können wir vorleben, wie wir selbst uns Menschen gegenüber verhalten, die freundlich zu uns sind.
Dankbarkeit setzt Denken voraus. Reflexion. Erst durch die Wahrnehmung, dass jemand etwas für mich tut – unter Umständen bedingungslos -, kann ich dankbar werden. Freude allein reicht nicht, es braucht diese Metaebene, das Erleben, dass jemand mein Bedürfnis sieht oder mich überrascht, um mir eine Freude zu machen.

Auch als Erwachsene lohnt sich dieser Gedanke. Lasst uns Danke sagen, ja, aber lasst uns auch Danke fühlen! Dazu müssen wir rauskommen aus unserem Egozentrismus und den anderen sehen. Denn nur wer den anderen sieht, kann Dankbarkeit erfahren. 

Diese Gedanken sind entstanden in einem Gespräch zwischen Pfr. Christiane Weis-Fersterra, Pfr. Rolf Fersterra, Hans-Martin Souchon und Britta Blos. Wir danken noch einmal für den spannenden Vormittag!

Die Reflexion über Dankbarkeit ist die Voraussetzung für ihr Empfinden.

2024-10-03 Interview 4 – Stabilität

Hans-Martin Souchon über die Notwendigkeit, bei aller Reflexion eine stabile Meinung zu vertreten. Denn Stabilität schafft Vertrauen.


BB: Wie komme ich als Führungskraft zu einer stabilen Meinung?

HMS: Man kommt zu einer stabilen Meinung, wenn man sich darüber bewusst wird, was mit dem eigenen Team passiert, wenn man sie NICHT hat. Ohne eine stabile Position von mir ist mein Team unsicher, es schwimmt. Ja, ich kann auch Zweifel haben. Das kann ich auch sagen: „Dazu habe ich noch keine Meinung, da brauche ich mehr Informationen.“ Alles ist besser, als ständig etwas anderes zu sagen wie ein Fähnlein im Winde.
Gerade jungen Führungskräften möchte ich den folgenden Grundsatz mitgeben: „Wer fragt, der führt.“ Wenn ich mir unsicher bin, dann frage ich, wie jemand anders zu seiner propagierten Meinung gekommen ist. Ich muss nachvollziehen können, wie sich andere Positionen entwickelt haben, um in meiner eigenen Meinung stabil zu werden und mich positionieren zu können. Nur so kann ich mich wappnen und dafür sorgen, dass ich mich nicht ständig verunsichern lassen muss. Durch tiefes Verständnis.

BB: Wann beginnt man normalerweise, seine Meinung zu überdenken?

HMS: Mir passiert das dann, wenn ich neue Informationen oder Erkenntnisse bekomme, die ich zuvor nicht gehabt habe. Zum Beispiel technologische Veränderungen, die haben meine Meinung zur E-Mobilität verändert. Diese Meinungsänderung hat dazu geführt, dass ich mir ein Elektroauto gekauft habe.

BB : Was geschieht, wenn man seine Meinung ständig ändert?

HMS: Das Vertrauen geht flöten. Mein Team wird sich fragen, wie es um meine Ehrlichkeit bestellt ist. Prozesse werden außerdem verlangsamt. Alle fragen sich ständig: „Bleibt der überhaupt dabei? Erstmal abwarten.“ Ich bin keine Leitfigur mehr. Ich mache mich selbst führungsunfähig.

BB: Wie kann ich als Mitarbeiter damit umgehen, wenn meine Führungskraft ständig ihre Meinung ändert?

HMS: Ich empfehle: Permanent fragen. „Das verstehe ich nicht. Weshalb soll ich das tun? Bitte erklär mir nochmal die Hintergründe.“ Fragen, fragen, fragen. Mit der Zielsetzung, mich selbst optimal einzubringen. Das muss rüberkommen.


Was sind eure Gedanken dazu? Hattet ihr mal eine Führungskraft, die ständig ihre Meinung geändert hat?

2024-09-26 Interview 3 – Miteinander in Gesellschaft und Unternehmen

Hier spricht Hans-Martin Souchon im Interview über Respekt, Haltung und die Kernpunkte in zwischenmenschlichen Beziehungen im Unternehmen.
Teilt gerne eure Gedanken zum Interview in den Kommentaren!

BB: Was können wir für unser Miteinander in der Gesellschaft, aber auch in der eigenen Firma tun?

HMS: Der wichtigste Punkt ist für mich immer gegenseitiger Respekt. Mich muss nicht die ganze Welt mögen. Keiner muss mich mögen. Na ja, jeder möchte, dass man ihn mag, aber das sollte nicht unser Hauptfokus sein. Ich möchte nur Respekt. Wie schön könnte die Welt sein, wenn sich alle gegenseitig respektieren würden. Dann wäre ein Angriff auf die Ukraine nicht passiert. Dann wäre das, was im Nahen Osten passiert ist, nicht passiert. Wenn ich meinen Beitrag dazu leisten kann, dann tue ich das gerne. Indem ich mein Gegenüber so gut wie möglich respektiere. Ich möchte einfach nur eine offene und freundliche Wirkung erzeugen. Es nutzt zum Beispiel nichts, wenn ich etwas als blödsinnig wahrnehme und das dann auch so tituliere. Es nutzt meinem Gegenüber viel mehr, wenn ich einfach freundlich lächle und ihn damit nicht mit meiner Ausdrucksweise verletze. Das zeugt von Respekt.

BB: Was können Führungskräfte tun, um für gegenseitigen Respekt in der Firma zu sorgen?

HMS: Zuerst gilt es, den Menschen gegenüber, eine offene Haltung zu haben. Dann sind da die allgemeinen Kernpunkte: Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit. Ich sage die Wahrheit. Verstecke mich nicht hinter irgendjemandem. Ja, auch ich bin nicht fehlerfrei und das gehört für mich zur Ehrlichkeit. Aber ich mag keine Notlügen. Die kann ich nicht akzeptieren. Lieber sage ich gar nichts, als zu lügen. Und Vertrauen schenken. Vertrauen schenken bewirkt irgendwann, dass man ebenfalls mit Vertrauen beschenkt wird. Und der dritte Punkt ist: Klarheit in den Zielsetzungen. „Wo will ich hin mit dem, was ich hier tue?“
Wenn diese drei Themen laufen, dann ergibt sich daraus eine Einstellung, eine Haltung, eine attitude, die ans Ziel führt.
Wird man damit Vorstandsvorsitzender von Daimler Benz? Keine Ahnung. Mit meiner Einstellung bin ich zumindest nicht Vorstandsvorsitzender von Daimler Benz geworden. Das ist wieder die Sache mit den eigenen Zielsetzungen.

BB: Was sind für dich Aktionen, mit denen man das Respektniveau in seiner Firma beschädigt?

HMS: Dreh es einfach mal um. Mach Versprechungen und halte sie nicht ein. Mach dein Ding und setz dich durch, ohne nach links und rechts zu sehen. Sag keinem, was du vorhast. Kümmere dich um dich selbst und lass den Rest links liegen. Damit fährst du den Karren recht schnell an die Wand.

2024-09-19 Interview 2 – Networking is more important than hard work

Heute haben wir wieder ein Interview mit Hans-Martin Souchon für euch.

BB: Was bedeutet für dich Networking?

HMS: Networking heißt für mich, dass ich Verbindungen zu anderen Menschen habe. Ich kann für mich selbst nie genug sein. Ich brauche die Resonanz von anderen, ganz verschiedenen Menschen, um mich weiterzuentwickeln.

BB: Wieso ist Networking so wichtig?

HMS: Networking heißt, dass ich jemanden kenne, der ein skillset hat, das mir bei einem Problem helfen kann. Man kann sein eigenes skillset mit Menschen erweitern, denen man vertraut. Social media ist für mich da manchmal ein bisschen problematisch. Ich will sehen, wo die Menschen stehen, was sie umtreibt, mit denen ich zu tun habe. Trotzdem habe ich auch bei social media Möglichkeiten, herauszufinden, ob mich ein Kontakt anspricht, mir interessant erscheint.

BB: Bedeutet das, dass man andere Menschen ein bisschen als Ressourcen betrachtet?

HMS: Na klar, wenn schon Personalabteilungen sich Human Resources nennen. Kontakte mit Menschen sind Zuwächse an Kompetenzen. Ich erweitere damit meine Handlungsoptionen. Aber das ist kein Missbrauch, das ist verstehe ich als ein Geben und Nehmen.

BB: Was macht man als sehr introvertierte Person, der es schwerfällt, Kontakte zu knüpfen?

HMS: Warum soll eine introvertierte Person nicht networken können? Weshalb kann so jemand nicht zum Beispiel über social media Plattformen gehen? Man kann sich trotzdem ein Netzwerk aufbauen. Vor allem kann man sehr niedrigschwellig vorgehen, das kostet nicht so viel Überwindung. Es gibt Möglichkeiten, sich zu engagieren in Bereichen, in denen man mit vielen Menschen zu tun hat, ohne Menschen aktiv ansprechen zu müssen. Engagement in Vereinen kann so etwas sein. Es ist wichtig, ein Bewusstsein dafür zu haben, dass die Welt nicht zu mir kommen wird. Es wird keiner auf den Gedanken kommen, dass ich mehr Kontakt möchte, wenn ich das nicht an irgendeinem Punkt signalisiere.

BB: Was ist wichtig, um nachhaltig zu networken?

HMS: Es ist sehr sinnvoll, mir regelmäßige Zeiten zu nehmen, an denen ich mich um meine sozialen Kontakte kümmere. Das kann ein Freitagmittag sein oder eine Stunde am Dienstagmorgen. Routinen helfen dabei, Dinge nicht aus den Augen zu verlieren – so ist es auch beim networken. Melde dich regelmäßig bei Leuten. Schreib zum Geburtstag, finde zwei oder drei persönliche Worte – das verbindet, schafft Bewusstsein füreinander und baut so ein Netzwerk auf.

BB: Vielen Dank für das spannende Gespräch!